08 Aug.

9 Mio. Euro Stadionmiete – Wie will der VfL Bochum das bezahlen? 

117 Mio. investiert die Stadt Bochum in Stadion und Sportanlagen des VfL bis 2029. Entsprechend stark wird die Pacht steigen. Zusätzliche Einnahmen durch die Stadionsanierung sind allerdings kaum zu erwarten.

Die Sanierung des Stadions ist angelaufen. Der VfL beklagt schon zu Beginn der Saison, dass die Finanzsituation nicht die beste ist (Interview: Kaenzig über Geld, Transfers und Stadionumbau). Der Lizenzetat, wird die 22 Mio. Euro der letzten Saison nicht erreichen. 

Investitionsvolumen beträgt 117 Mio. Euro, Tendenz steigend 

War am Anfang von 70 Mio. Euro für den Stadionumbau die Rede, sind es in Wirklichkeit mittlerweile 116,9 Mio. Euro, die dafür an die städtische Besitzgesellschaft geflossen sind bzw. noch fließen sollen (Wirtschaftsplan 2026). 9,9 Mio. hat die Stadt an den VfL für die Übernahme des Stadioncenters gezahlt, 15,1 Mio. wurden für die laufenden Instandhaltungen, die Planungen und die laufenden Kosten der Besitzgesellschaft bereitgestellt. Die Kosten für die Stadionsanierung selbst sind auf 91,9 Mio. Gestiegen (WDR vom 29.04.2026).  

Gesamtinvesttion für Stadionsanierung

47,5 Mio. Finanzierungskosten 

Zu den 116,9 Mio. Euro kommen die Finanzierungskosten dieses Investitionsbetrages noch hinzu. Geht man von 3,25 % Zinsen aus, die in 25 Jahren durch die Stadionpacht refinanziert werden, entstehen weitere Kosten in Höhe von 47, 5 Mio. Euro. Aufgrund der städtischen Haushaltsnotlage (Haushaltssperre – Kämmerin zieht die Notbremse) hat die Stadt das Geld für die Stadionsanierung eigentlich nicht. Es müssen dafür neue Schulden aufgenommen werden.

Zu den 116,9 Mio. Sanierungskosten, kommen also noch 47,5 Mio. Finanzierungkosten hinzu. 164,4 Mio. Euro wird die Stadt nach den derzeitigen Planungen für den Stadionumbau aufwenden. Zu befürchten ist, dass bis 2029, wie bei eigentlich allen städtischen Großprojekten die Kosten weiter deutlich steigen werden.  

Wie hoch wird die Stadionpacht ab 2029 sein? 

Bisher zahlt der VfL für die Pacht von Stadion, den umliegenden Sportanlagen und den Anlagen für das Talentwerk rund 1,45 Mio. Euro Pacht pro Jahr (WAZ vom 23.08.2024). Der Pachtvertrag zwischen VfL und Stadt sieht vor, dass nach Ende der Sanierungsarbeiten die Pacht neu kalkuliert wird.  

Es stellt sich somit die Frage, welche Pacht muss der VfL Bochum ab 2029 zahlen? Es gibt zwei Berechnungsmethoden die neue Pacht zu ermitteln: 

Kalkulation der Stadionpacht ab 2029

Variante A: Hochrechnung aufgrund der bisher gezahlten Pacht – Der Wert der bestehenden vom VfL gepachteten Immobilien (ohne Rundsporthalle) liegt bei 22,75 Mio. Euro, rechnet man die Investitionssumme von 116,9 Mio. Hinzu, wird ab 2029 der Wert bei 134,75 Mio. liegen. Also 4,9-mal höher als derzeit.

Also müsste 2029 auch die Pacht um den Faktor 4,9 steigen, ergibt knapp über 7 Mio. Pacht pro Jahr.  

Dazu müssten die Finanzierungskosten in die Pacht eingepreist werden. Also 47,5 Mio. Euro auf 25 Jahre oder 1,9 Mio. pro Jahr. 

Damit ergibt sich in Summe eine Pacht in Höhe von 8,94 Mio. Euro pro Jahr. 

Variante B: Kalkulation auf Grundlage der realen Kosten – Bei dieser Berechnungsmethode wird zu der bisherigen Pacht, 1,45 Mio. Euro, die Refinanzierung der Investition (116,9 Mio.) in 25 Jahren, also 4,68 Mio. Euro, die von der Stadt zu leistende Instandhaltung für die Bausubstanz (Dach und Fach), geschätzte 1,04 Mio. Euro und die Finanzierungskosten, 1,9 Mio. Euro, zusammengerechnet werden. 

In Summe ergibt sich so eine Stadionpacht n Höhe von 9,06 Mio. Euro/Jahr. 

Beide Kalkulationsmethoden kommen also zu dem Ergebnis, dass der VfL ab 2029 für das sanierte Stadion plus der dazugehörigen Sportinfrastruktur rd. 9 Mio. Euro Pacht pro Jahr zahlen müsste. Dabei wären die laufenden Kosten der Besitzgesellschaft noch nicht berücksichtigt. 

Wie will der VfL 9 Mio. Euro Pacht refinanzieren? 

Doch wie will der VfL Bochum jedes Jahr 9 Mio. Euro für das neu gestaltete Stadion aufbringen? 

Ein kleiner Teil der Pacht, wird sich dadurch refinanzieren lassen, dass die Sitzplatzzahl im Rahmen der Sanierung leicht zunimmt (+1.500), die Zahl der hochpreisigen Platzangebote steigt und mehr Einnahmen durch Catering erzielt wird. Auch für die Namensrechte des Stadions werden sich höhere Einnahmen generieren lassen. Doch mehr als 1 Mio. Euro zusätzliche Einnahmen werden auf diese Weise kaum realisierbar sein.  

Offen bleibt also die Frage, wo kommen die verbleibenden 8 Mio. Euro her? 

Grundsätzlich gäbe es dafür fünf Möglichkeiten:  

Gewinne aus Shows und Konzerten – Schalke 04 etwa finanziert sein Stadion über die Konzerte, Show-Events und Sportveranstaltungen, die neben den Fußballspielen im Stadion stattfinden. Der VfL Bochum und seine Fans haben sich jedoch ganz bewusst gegen ein neues Stadion entschieden, das solche Veranstaltungen ermöglicht hätte (Lohnt sich teure Stadionsanierung – Erstligaperspektive versus Tradition). Im sanierten Stadion werden Großveranstaltungen dagegen weiterhin nicht möglich sein. Entsprechende Einnahmen wird der VfL auch nach der Sanierung nicht erwirtschaften können.

Sponsoring durch Investor – In Hoffenheim hat Dietmar Hopp den Stadionbau finanziert. Andere Stadien haben Unternehmen wie VW, Bayer, Redbull oder Ursapharm ganz oder zu wesentlichen Teilen bezahlt. Der VfL Bochum sucht seit rund 10 Jahren einen Investor. Findet ihn aber nicht.  

Die weitere Suche dürfte zudem dadurch erschwert werden, dass der Verein auch zukünftig aus seinem Stadion keine zusätzlichen Einnahmen für den Lizenzetat erzielen kann, sondern das Stadion im Gegenteil einen erheblichen Kostenfaktor darstellt. 

Dass ein Investor gefunden wird, der auch mindestens Teile der Stadionmiete finanziert, erscheint daher unrealistisch. 

Stadt springt als Mäzen ein – Dass die Stadt den fehlenden Mäzen ersetzt, erlaubt zum einen die prekäre Haushaltslage nicht, zum anderen gehört es nicht zu den Aufgaben einer Kommunen, als Mäzen eines Profifußballunternehmen aufzutreten.

Außerdem ist der Stadt auch rechtlich eine entsprechende Subventionierung des Stadions nicht gestattet. Gemäß Art. 55 2. EU 2014/651 darf die Stadt Sportinfrastruktur nicht einem Nutzer exklusiv überlassen und dafür die Kosten tragen. Dies würde eine unerlaubte Subvention mit öffentlichen Mitteln darstellen und verbietet das EU-Recht daher. Diese Regelung war einer der maßgeblichen Gründe für die Einführung der Stadionpacht 2024. 

Erhöhung Ticketpreise – Geht man von rund 500.000 verkauften Tickets pro Saison aus, entfallen heute rund 2,90 Euro pro verkauftem Ticket auf die Refinanzierung der Stadionmiete. Wären zukünftig noch 8 Mio. Euro Pacht über die Eintrittspreise zu refinanzieren, kämen auf jedes Ticket rund 16 Euro. Die Tickets müssten also im Schnitt um 13 Euro pro Spiel steigen. 

Da die Mitglieder des VfL sich bewusst gegen einen Stadionneubau und damit gegen eine Refinanzierung der Stadionpacht durch Zusatzeinnahmen aufgrund von anderen Großveranstaltungen gestimmt haben, sollte man annehmen, dass die Bereitschaft besteht, eine der Erhöhung Eintrittspreise auch in der genannten Dimension hinzunehmen. 

Einsparungen beim Lizenzetat – Gelingt eine Refinanzierung der erhöhten Stadionpacht auf andere Weise nicht, bleibe dem VfL nur, das Geld in seinem laufenden Etat, insbesondere dem Lizenzetat (Etat für die Finanzierung von Mannschaft sowie des Trainer- und Funktionsteams) einzusparen. Mit nur rund 20 Mio. Euro Lizenzetat ist der VfL allerdings bereits derzeit in der 2. Bundesliga kaum konkurrenzfähig. Mit einer weiteren Kürzung wäre wohl ein weiterer sportlicher Abstieg verbunden. 

Refinanzierungsmöglichkeiten Stadionpacht

Deutlich wird, die Stadionsanierung bedeutet für den VfL Bochum auch finanziell eine riesige Herausforderung. Diese wird um so anspruchsvoller, je höher die Sanierungskosten steigen. Dass die Stadt als Mäzen einspringt, ist nicht zu erwarten. Die Haushaltsnotlage erlaubt allenfalls einen großzügigen Zuschuss, in einem Umfang, wie er heute bereits geleistet wird. Die Fans sollten sich daher schon heute auf massiv steigende Ticketpreise einstellen. 

Abschließend zwei Vergleiche wie Stadionum- und neubauten in anderen Städten angegangen und finanziert werden: Das neue Stadion in Freiburg (34.700 Plätze) verschlang 76,5 Mio. Euro Baukosten. Die Stadt Freiburg steuerte einen Investitionszuschuss von 9,5 Mio. Euro bei und übernahm die Infrastrukturkosten. 26,45 Mio. Euro übernahm der SC Freiburg selbst, 40,5 Mio. Euro wurden über Fremdkapitaldarlehen finanziert. Die werden über eine jährliche Pacht von 3,8 Mio. Euro vom Sport-Club abgezahlt (kicker vom 16.10.2021).

Der Stadionumbau in Kiel soll wie folgt finanziert werden: 75 Mio. soll die neue Arena (22.087 Plätze) kosten. 20 Mio. Euro kommen vom Land, 25 Mio. Euro aus Krediten und 20 Mio. Euro von privaten Geldgebern und nur 10 Mio. Euro von der Stadt (t-online vom 13.12.2025).

04 Juli

BOGESTRA täuscht Politik in Bochum über Investitionstätigkeit

2021 bis 2025 hat die BOGESTRA der Stadt versprochen insgesamt 216,8 Mio. Euro zu investieren. Tatsächlich gab das Unternehmen aber nur 55,2 Mio. für Investitionen aus. Seit Jahren wird im Investitionsplan des Unternehmens Geld für Rolltreppen und Aufzüge eingestellt. Real ausgegeben wird das dann aber nicht. Warum die BOGESTRA, die Politik hinters Licht führt. 

2023 spiegelte die BOGESTRA der Stadt vor, 67,8 Mio. Euro für Investitionen auszugeben zu wollen, tatsächlich gab das Unternehmen nur 2,1 Mio. aus. 2025 wurden Investitionen in Höhe von 46,5 Mio. angekündigt, real waren es nur 4,8 Mio. Euro. 2023 wurden nur 3 % der Summe investiert, die die BOGESTRA der Politik zugesagt hatte, 2025 waren es nur 10 %. Über den Zeitraum 2021-2025 wurden im Schnitt nur 25 % der geplanten Investitionen umgesetzt.

BOGESTRA: Fahrgastzahlen, Verluste und Investitionen 2021-2025

Warum liegen die realen Investitionen bei einem Bruchteil der geplanten? 

Es stellt sich die Frage nach der Ursache. Fehlt es der BOGESTRA an Planungskompetenz? Ist sie nicht in der Lage vorausschauend Investitionspläne aufzustellen und diese dann konsequent umzusetzen? Oder sind die Investitionspläne nur Luftnummern, mit denen man versucht der Politik eine Investitionstätigkeit vorzuspielen, die mit der Wirklichkeit gar nichts zu tun hat? 

Jedes Jahr stellt die BOGESTRA eine eindrucksvolle Liste von 17 bis 21 Investitionspositionen auf. Zu jeder Position wird angegeben wird, wie viele Millionen im nächsten Jahr investiert werden sollen. Im Folgejahr stellt sich dann heraus, der größte Teil der angeblich geplanten Investitionsmaßnahmen wurde gar nicht durchgeführt. Durchgehend wird nur in 3 bis 8 Investitionsbereichen Geld ausgegeben, in 10 bis 17 Bereichen liegt der Investitionsbetrag bei Null oder unwesentlich darüber. 

BOGESTRA: Investitionen Plan-Ist 2021-2025 (gem. Jahresabschluss)

Real werden Investitionen fast nur in den immer gleichen Bereichen getätigt. Das sind Busanschaffung, Gleisneubau, Betriebs- und Geschäftsausstattung sowie geringwertige Wirtschaftsgüter. Auch in diesen Bereichen wird der Plan jedoch fast nie auch nur annähernd erfüllt. Es wird systematisch immer deutlich weniger investiert als angeblich an Investitionen geplant waren. 2025 fiel zum Beispiel die Anschaffung von Bussen sogar ganz aus. Im Gleisneubau wurde nur ein Drittel der geplanten Mittel investiert.

Andere Bereiche tauchen immer wieder in den Investitionsplänen auf, Geld wird dafür dann aber nicht ausgegeben. So gibt die BOGESTRA immer wieder an, Geld in Aufzüge, Rolltreppen und Beschleunigungsmaßnahmen investieren zu wollen. In jedem der Bereiche sollten zwischen 2021 bis 2025 angeblich 6 bis 7 Mio. Euro investiert werden. Real erfolgten in allen drei Bereichen jedoch im Zeitraum 2021 bis 2025 keine Investitionen. Das erklärt wiederum, warum bei der BOGESTRA Aufzüge und Rolltreppen für Wochen, Monate oder sogar Jahre ausfallen und das Unternehmen den Ersatz nicht hinbekommt (Warum die BOGESTRA mit Instandhaltung von Aufzügen und Rolltreppen überfordert ist). 

BOGESTRA: Ausgewählte Investitionsposten

Ein weiterer Trick der BOGESTRA ist, das Investitionsvolumen durch einmalige Maßnahmen künstlich aufzublähen, die dann aber nicht getätigt werden. So stellte man 2023 23,8 Mio. Euro für den Bau eines Stellwerks in der Investitionsliste ein, realisiert wurde die Maßnahme allerdings nicht. 2024 und 2025 tauchte die Maßnahme nicht mal mehr in der Liste auf. Ein anderes Beispiel: 2024 schrieb man 1,8 Mio. Euro für PV-Anlagen in die Liste, gab aber nur 8.000 Euro dafür aus. 2025 plante man den Bau dann erst gar nicht mehr ein, bereits die geplanten Investitionen sanken auf 0 Euro. 

Festzustellen ist also, einmal in die Investitionsliste aufgenommene Investitionen werden, anders als es die BOGESTRA gerne darstellt, in den Folgejahren auch nicht nachgeholt.

2025 waren die Posten “Ladeinfrastruktur für E-Busse“ (Plan: 9 Mio., Ist: 0 Mio.) und “Barrierefreier Ausbau von Haltestellen” (Plan: 3,9 Mio., Ist: 0 Mio.) solche Null- bzw. Luftnummern. Wobei anzumerken ist, dass der barrierefreie Haltestellenausbau eigentlich Sache der Stadt und nicht der BOGESTRA ist. Sich in diesem Fall also die Frage stellt, wie es zu diesen Investitionsposten überhaupt gekommen ist. 

Vergleicht man, was die BOGESTRA angeblich investieren wollte, mit dem, was das Unternehmen Jahr für Jahr tatsächlich für Investitionen ausgibt, wird deutlich, dass eine Realisierung der geplanten Positionen, eigentlich nie beabsichtigt war. Die Investitionsliste wird mit Luft-Maßnahmen künstlich aufgebläht, die Höhe der Beträge, die investiert werden sollen, werden systematisch zu hoch angegeben, um der Politik eine hohe Investitionstätigkeit vorzutäuschen. 

Was ist die Ursache der geringfügigen Investitionstätigkeit? 

Die BOGESTRA befindet sich in einer anhaltenden wirtschaftlichen Notlage. Um das jährliche Defizit nicht noch weiter ansteigen zu lassen, finanzierte man bis 2020 zunächst die Investitionen mit Schulden. So wuchsen die Schulden bis 2022 auf unglaubliche 315 Mio. Euro (BOGESTRA wird zum Sanierungsfall). Seitdem eine weitere Verschuldung aufgrund des massiven Schuldenbergs nicht mehr möglich war, fuhr das Unternehmen die Investitionen drastisch zurück und verlegte sich darauf, eine hohe Investitionstätigkeit nur noch vorzutäuschen. Wurden in der Vergangenheit rd. 30 Mio. pro Jahr investiert, waren es im Schnitt im Zeitraum 2021 bis 2015 nur noch 11 Mio. Euro.

Hätte die BOGESTRA die Investitionen in der jeweils geplanten Höhe realisiert, läge der jährliche Verlust aufgrund der aus den Investitionen folgenden Abschreibungen mindestens 20 Mio. Euro pro Jahr höher als ausgewiesen. Er läge also 2025 nicht bei 94,5 Mio. Euro, sondern bei 114,5 Mio. Euro oder noch höher. Dabei ist das Ergebnis der BOGESTRA bereits völlig aus dem Ruder gelaufen, Bei der aktuellen Haushaltsnotlage sind schon 90 Mio. Euro Defizit nicht mehr vertretbar und auf Dauer für die Stadt nicht finanzierbar (180 Mio. Defizit – Haushaltsnotlage 2.0 – Die Ursachen). 

Welche Folgen hat die geringe Investitionstätigkeit? 

Die BOGESTRA befindet sich in einem Teufelskreis, investiert wird nur noch alibimäßig. Es wird nicht mal mehr so viel investiert, wie nötig wäre, den Standard zu halten, schon gar nicht wird in den Ausbau des Nahverkehrsnetzes oder andere Verbesserungen des ÖPNV in Bochum und Gelsenkirchen investiert. Es kommt zu einem zunehmenden Investitionsstau. Die Fahrgastzahlen liegen trotz Deutschland-Ticket immer noch 16 % (-23 Mio. Fahrgäste) unter denen von 2019.  

Mangels Investitionen müssen Busse und Straßenbahnen länger auf Verschleiß gefahren werden, der Service kann nicht verbessert werden, das Liniennetz nicht modernisiert, attraktiver gemacht und schon gar nicht ausgebaut werden. In der Folge ist mit einer Zunahme der Fahrgastzahlen nicht zu rechnen, eher mit einer weiteren Abnahme. 

Die Politik reagiert zu spät und unzureichend 

Die Politik erkennt das grundlegende Problem der BOGESTRA erst langsam. Weisen die STADTGESTALTER schon seit Jahren auf die strukturellen Finanzprobleme der BOGESTRA hin und fordern eine grundlegende Sanierung des Unternehmens (BOGESTRA wird zum Sanierungsfall), wurden die Probleme von den anderen politischen Gruppierungen seit Jahren ignoriert und der Handlungsbedarf geleugnet. Zuletzt wurde im Februar 2026 der erneute Antrag von STADTGESTALTER/Volt abgelehnt, das Unternehmen endlich einer grundlegenden Sanierung zu unterziehen (Antrag 20260206). 

Erst zu den Haushaltsberatungen 2026 gaben SPD und Grüne erstmals zu, dass die Verluste der BOGESTRA um 10 Mio. Euro gesenkt werden müssten (Ziele für den Haushalt 2027ff.). Allerdings kommt diese Einsicht Jahre zu spät. Jahre, in denen die Probleme der BOGESTRA sich gravierend verschlimmert haben.

Auch wurde das Einsparungsziel viel zu niedrig angesetzt. Allein das Investitionsdefizit liegt, wie dargestellt, schon bei 20 Mio. Euro. Geht man davon aus, dass ein jährlicher Verlust von 70 Mio. Euro für die Stadt noch bezahlbar wäre, müsste das Defizit um mindestens 25 Mio. sinken. Zuzüglich Investitionsdefizit geht es also um einen Sanierungsbedarf von 40 bis 50 Mio. Euro pro Jahr, nicht nur um 10 Mio.. 

Auch mit dem Wirtschaftsplan 2026 wird die Politik getäuscht 

Im Wirtschaftsplan 2026 (Vorgelegt im Rat am 05.02.2026) gibt die BOGESTRA an, 133,8 Mio. Euro für den Zeitraum 2024 bis 2026 investieren zu wollen. Bewusst unerwähnt bleibt jedoch, dass 2024 und 2025 real nur 15,9 Mio. Euro investiert wurden, also 60,6 Mio. weniger als für beide Jahre geplant und im Wirtschaftsplan ausgewiesen werden. Wieder täuscht die BOGESTRA eine Investitionstätigkeit vor, die real gar nicht stattgefunden hat. Das muss umgehend aufhören. 

Der Versuch der BOGESTRA, die Politik über ihre Investitionstätigkeit zu täuschen, zeigt zweierlei: Erstens, die Geschäftsführung der BOGESTRA nimmt die Politik nicht ernst. Man geht davon aus, dass diese sich nicht tiefergehend mit dem beschäftigt, was das Unternehmen erzählt und niederschreibt. Offenbar besteht die Ansicht, dass die “Fachpolitiker und Fachpolitikerinnen” von der Materie eigentlich keine Ahnung haben, diese sich daher leicht an der Nase herumführen lassen (Politik ist mit der Aufsicht von städtischen Unternehmen überfordert). Zum zweiten kann die Politik der Geschäftsführung der BOGESTRA nicht vertrauen. Diese schönt gezielt die Unternehmenszahlen. Das kann die Politik in keiner Weise dulden.  

Die Sanierung der BOGESTRA sollte damit beginnen, die aktuelle Geschäftsführung freizustellen und eine Unternehmensführung einzusetzen, deren besondere Expertise in der Sanierung von Unternehmen liegt und die als erstes für Transparenz hinsichtlich der wahren wirtschaftlichen Lage der BOGESTRA sorgt.