25 Aug

Mehr Baustellen für Bochum

Baustellen sind lästig und es gibt immer zu viele. Die Kortumstraße wird über Jahre aufgerissen, nirgendwo kommt man noch ohne lästiges Gedrängel durch, überall Staub und Dreck. Die Wittener Straße ist nur noch einspurig oder über Umwege befahrbar, weil seit Monaten die Brücke über den Sheffield-Ring ersetzt wird. Über Jahre gab es in Langendreer kaum ein Durchkommen, weil auf der Haupt- und Unterstraße sämtliche Leitungen erneuert und die Straßenbahnlinie verlegt wurde. Das gleiche während der noch andauernden Erneuerung der Straßenbahngleise und Leitungen auf der Bochumer Straße. Der Verkehr auf der Universitätsstraße staute sich über Jahre, weil für die U35 eine neue Haltestelle am Gesundheitscampus errichtet wurde.

Doch Baustellen zeigen auch, in der Stadt tut sich, was. Straßen, Gebäude, Brücken, Straßenbahnlinie werden saniert, modernisiert, erweitert und ganz neu gebaut. Die Kräne, die im Stadtbild zu sehen sind, sind ein Zeichen für die positive Entwicklung einer Stadt.

Zu wenig Baustellen aufgrund des großen Sanierungs- und Modernisierungsstaus

Tatsächlich gibt es in der Stadt viel zu wenige Baustellen. In vielen Bereichen besteht ein über Jahrzehnte angewachsener Sanierungsstau, insbesondere bei den städtischen Gebäuden (u.a, Schwimmbädern, Schulen, Verwaltungsgebäuden), aber auch bei vielen privaten Wohngebäuden. Viele Straßen und Brücken sind so marode, dass sie von Grund auf erneuert werden müssten, weil die ordnungsgemäße Instandhaltung über Jahre unterlassen wurde. Das Nahverkehrsnetz müsste dringen metropolengerecht ausgebaut werden. In der Wattenscheider Innenstadt und vielen Stadtteilzentren versprühen noch heute den Charme bzw. Muff der 60er, 70er und 80er Jahre, seitdem ist nicht mehr viel passiert. Eine moderne und zeitgemäße Umgestaltung vieler Plätze und Straßen ist unerlässlich.

Über Jahrzehnte wurde viel zu wenig saniert, modernisiert und zeitgemäß umgestaltet. Es gab in Bochum und Wattenscheid im Vergleich zu vielen anderen Großstädten vergleichsweise wenige Baustellen. Der Nachholbedarf ist riesig.

Voraussetzungen für mehr Bautätigkeit und mehr Baustellen ändern sich

Auch hat die städtische Bürokratie bisher viele private Baumaßnahmen verhindert. Nach wie vor empfinden viele Einwohner und private Unternehmen die zähen wie umständlichen Verwaltungsabläufe, die sie über sich ergehen lassen müssen, ehe sie ein Bauvorhaben umsetzen können, als zu langwierig und eher verhindernd als förderlich. Eine entsprechende Neuorganisation des Bauordnungsamtes ist weiterhin überfällig, aber absehbar. Aufgrund voraussehbarer personeller Änderungen in der Amtsleitung des Bauordnungsamtes wird die Umsetzung bald möglich sein. Der Stadtbaurat kann damit die von ihm bei Amtsantritt in Aussicht gestellten Reformen auf den Weg bringen.

Bisher fehlen der Stadt zudem ausreichend öffentliche Mittel, um alle erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen auf den Weg bringen zu können. Wenn die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung jedoch bereit sind auch über private Finanzierungsmodelle nachzudenken, ergeben sich für die Stadt neue Möglichkeiten zusätzliche Finanzierungsquellen zu erschließen. Modelle, bei denen besipielsweise private Unternehmen öffentliche Infrastruktur errichten und dafür 30 Jahre mit Gewinn betreiben, dürfen, sollten in Zukunft kein Tabuthema mehr sein. Die private Finanzierung von dringend erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen ist einem Verzicht unbedingt vorzuziehen.

2014 ist eine Generation von Kommunalpolitikern erstmalig in den Stadtrat und die Bezirksvertretungen eingezogen, die sich fraktionsübergreifend auf die Fahnen geschrieben hat, die Stadt zu modernisieren und wieder an den Standard prosperierender Großstädte heran zu führen. Diese Generation gibt sich mit der bloßen Verwaltung des Ist-Zustands nicht zufrieden, das Festhalten an den überkommenen Strukturen der Vergangenheit ist nicht ihr Ziel. Aller Voraussicht nach wird mit der Kommunalwahl 2020 die Generation 2014, in den Kommunalvertretungen die treibende Kraft sein und den Stillstand endgültig beenden. Um den Rückstand in der Infrastruktur gegenüber modernen Großstädten aufzuholen ist diese Generation Kommunalpolitiker bereit neue Wege zu gehen und eine Bauoffensive auf den Weg zu bringen, die mit einer großen Zahl Baustellen in allen Bereichen verbunden sein wird.Darüber sollten sich die Einwohner der Stadt freuen, denn endlich passiert in der Stadt wieder etwas und wird versucht den Entwicklungsstand anderer Großstädte zu erreichen.

Baustellen haben in der Vergangenheit häufig nichts Positives bewirkt

Leider haben viele Baustellen der Vergangenheit wenig Nutzen dafür aber massive Behinderungen mit sich gebracht. Nicht wenige Baumaßnahmen waren darüber hinaus angesichts der sich in der Folge ergebenden sehr begrenzten Vorteile total überteuert (z.B. Bau der U35-Haltestelle Gesundheitscampus oder die Untertunnelung der Innenstadt mit Straßenbahntunneln), andere Baustellen haben aufgrund schlechter Baustellenorganisation viel zu lange gedauert (z.B. Verlegung der Straßenbahnlinien in Langendreer, Kreisverkehr Eppendorf), oder waren nutzlos. So stellt sich die 4-spurige Neugestaltung der Herner Straße zwischen A40 und A43 als für die Stadt als nachteilig heraus, so dass jetzt ein erneuter Um- und Rückbau auf zwei Fahrspuren für den Individualverkehr erwogen wird (Auf der Herner Straße droht ein Dieselfahrverbot).

Viele aufwendige Baustellen wären, sofern die Infrastruktur in den letzten Jahrzehnten ordnungsgemäß instand gehalten worden wäre, zudem vermeidbar gewesen. So bringt die teure und vollständige Wiederherstellung von Straßen und Gehwegen aufgrund über Jahrzehnte unterlassener Instandhaltung außer langwierigen und heftigen Einschränkungen für die Bewohner kaum Vorteile. Entsprechend gering ist die Akzeptanz solcher Baumaßnahmen.

Aufgrund der genannten Punkte werden Baustellen in Bochum bisher überwiegend als negativ, vermeidbar oder gar überflüssig empfunden. Häufig wird viel Aufwand mit massiven Behinderungen betrieben, der am Ende für die Stadt und deren Bewohner kaum erkennbare Vorteile bringt.

Verbesserung von Baustellenorganisation, Projektcontrolling und der Einbindung der Betroffenen

Das wird sich zukünftig ändern müssen. Um die Auswirkungen auf die von den Baumaßnahmen Betroffenen möglichst gering zu halten müssen die Baustellen deutlich besser organisiert werden und die Bauzeiten verkürzt werden. Entsprechend sind Baumaßnahmen, die nur wenige Behinderungen nach sich ziehen, bei vergleichbaren Kosten und Nutzen solchen vorzuziehen, die über Jahre mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Anwohner verbunden sind (z.B. Bau einer Seilbahn- statt Bau einer Straßenbahnlinie).

Zwar ist das städtische Baustellenmarketing während laufenden Baumaßnahmen bereits vorbildlich aufgestellt, die Betroffenen müssen allerdings bereits im Vorfeld der beabsichtigten Maßnahmen noch deutlich besser eingebunden werden, besonders um das Verständnis für die bevorstehenden Maßnahmen zu erhöhen und um die Interessen der Betroffenen besser berücksichtigen zu können. Auch braucht die Stadt ein wirksameres Projektcontrolling, das zuverlässig die Einhaltung der Zeit- und Kostenpläne sicherstellt.

Die Beeinträchtigungen, die mit Baustellen verbunden sind, müssen als notwendig, überschaubar und vorhersehbar empfunden werden. Sehen die Einwohner dazu noch ein, dass die über einen absehbaren Zeitraum hinzunehmenden Einschränkungen nach Abschluss der Bauarbeiten zu einer positiven Veränderung der Stadt führen, wird sich die Haltung zu Baustellen verändern. Baustellen werden zukünftig als notwendige Übel wahrgenommen, die erforderlich sind, um die Stadt voran.

Eine Stadt am Puls der Zeit verändert sich ständig, wird modernisiert und entwickelt sich weiter. Eine Stadt ist nie fertig. Mit jeder Baustelle sollte die Stadt ein Stück attraktiver und lebenswerter werden.

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