27 Dez.

Großfeuerwerk und Drohnenshow vs. selbst knallen

Die meisten mögen ein tolles Feuerwerk zum Jahreswechsel. Zunehmend auf Ablehnung stößt allerdings die exzessive Böllerei selbst ernannter oft betrunkener Knallprofis. Was kann die Stadt tun?

Die einen fühlen sich belästigt, andere meinen, gibt mir nichts, wieder andere sagen, freue ich mich schon 364 Tage drauf und ist doch nur einmal im Jahr. Kaum ein Thema wird in deutschen Städten kontroverser diskutiert als privates Feuerwerk zu Silvester.

Privates Feuerwerk – Meinungen und Folgen

160-mal musste die Bochumer Feuerwehr Silvester 2024 ausrücken, davon waren 46 Fälle Brandeinsätze, zumeist wegen brennenden Mülltonnen, Hecken oder Feuerwerksresten. Rettungswagen mussten in 122 Fällen zur Hilfe eilen.  Jedes Jahr erleiden zahlreiche Menschen Verletzungen durch explodierende Feuerwerkskörper. Kinder und Jugendliche sind häufig von Knalltraumata betroffen. Entsprechend fordert der Präsident der Bundesärztekammer eine Beendigung der „wilden Knallerei“ („Wilde Böllerei muss untersagt werden“).

Darüber hinaus beschweren sich immer mehr Menschen darüber, dass die Knallerei schon Tage vor Silvester beginnt und viele Haus- und Wildtiere verschreckt und geängstigt werden. Weiterer Streitpunkt sind die Überreste der Knallerei, die am Neujahrsmorgen die Stadt verschandeln und vom USB beseitigt werden müssen. Umweltverbände beklagen zudem die hohen Feinstaubwerte, die die Knallerei verursacht.

Auf der anderen Seite stehen Spaß und Freude, den viele haben, wenn sie selbst Feuerwerk einkaufen und anzünden, wenn das neue Jahr beginnt. Mit Familie, Freunden und Bekannten selbst ein Feuerwerk abrennen, gehört für viele fest zur jährlichen Silvesterparty dazu.

Großfeuerwerk wäre eine Alternative

Schon 2019 hatten die STADTGESTALTER eine Diskussion über Feuerwerk und Böllerei angeregt (Selbst knallen oder Großfeuerwerk) und erstmals vorgeschlagen, zentral in der Innenstadt ein spektakuläres, zentral organisiertes städtisches Feuerwerk zu veranstalten. Die gleiche Ansicht hat in der Folge auch die Interessengemeinschaft Bermuda3Eck (ISG) vertreten (WAZ vom 03.01.2025). Denn Silvester ist für Wirte im 3Eck bisher ein verlorener Tag.

Obwohl die Stadt mittlerweile jedes Jahr einen Teil des 3Ecks zur Böllerverbotszone erklärt (Verbotszone für Silvesterfeuerwerk), ist nach Ansicht der ISG die Sicherheit der Gäste und Geschäfte im 3Eck an Silvester nicht gewährleistet. Also bleiben die meisten Läden zu.

Auch der Chef der Bochumer Feuerwehr hat sich 2023 für ein für zentral organisiertes Profi-Feuerwerk mit Böllerverbot ausgesprochen (WAZ vom 02.01.2023) .

Dafür könnte auf der Viktoriapromenade von Rathaus bis Schauspielhaus zum Jahreswechsel die größte Silvesterparty der Stadt stattfinden, auf der um 0 Uhr vom Dach des Musikforums das große Lichtfeuerwerk gezündet würde. Auch eine Laser- und Drohnenshow wäre denkbar.

Ein spektakuläres, zentral organisiertes städtisches Feuerwerk ist in Städten wie Paris, Sydney, Reykjavik, Funchal und London seit jeher üblich. Die Menschen treffen sich an zentralen Plätzen und bestaunen zum Jahresbeginn das von der Stadt veranstaltete Lichtspektakel und Feuerwerk. Privates Feuerwerk ist oft unbekannt.

Folgen und Voraussetzungen eines Großfeuerwerks und Drohnenshow

Um eine sichere Veranstaltung zu gewährleisten, sollte in Bochum die ganze Innenstadt inklusive Bermudadreieck zum Jahreswechsel für den privaten Verkehr gesperrt (Ausnahme Anlieger) und zur Böllerverbotszone erklärt werden.

Für die Stadt würde die Organisation des Großfeuerwerks, insbesondere die Umsetzung des nötigen Sicherheitskonzepts, zusätzliche Kosten bedeuten. Auf der anderen Seite entfielen die umfangreichen Reinigungskosten zur Beseitigung der Hinterlassenschaften der privaten Knallerei, sofern diese durch das Großfeuerwerk ersetzt würden. Auch die Kosten für Sachschäden und die Bereithaltung von Feuerwehr und anderen Sicherheitskräfte in der Silvesternacht würden sinken.

Gelänge es Bochum, das Feuerwerk mit einem Weihnachtsmarkt bis Silvester zu verknüpfen und Bochum als erste Stadt im Ruhrgebiet ein solches spektakuläres Großfeuerwerk zum Jahreswechsel zu etablieren, könnte das auch Gäste von außerhalb zu Silvester nach Bochum ziehen. Das Silvesterfeuerwerk entspräche Bochums strategischem Ziel sich als “Hotspot der Live-Kultur” zu profilieren.

Bürgerentscheidung über stadtweites Böllerverbot oder Einrichtung von Feuerwerkszonen

Bleibt die Frage, wie mit dem privaten Feuerwerk umzugehen ist. Dieses könnte auf ausgewiesen Bereiche in den sechs Stadtbezirken beschränkt werden, in denen in der Silvesternacht privat Feuerwerkskörper gezündet werden dürfen (Feuerwerkszonen).

Diesen Weg schlagen STADTGESTALTER und Volt in ihrer gemeinsamen Anregung an den Stadtrat neben einem Verbot des Abbrennens von Pyrotechnik der Kategorie F2 mit ausschließlicher Knallwirkung vor (Anregung vom 06.10.2024). Ein generelles Verbot von Böllern, die ausschließlich Lärm erzeugen und Tiere verschrecken, sollte auch für die hinnehmbar sein, die sonst ein privates Feuerwerk für unverzichtbar halten.

In Belgien und den Niederlanden verbieten viele Gemeinden das Böllern Silvester sogar ganz oder mindestens in wesentlichen Teilen der Städte. Ab dem Jahreswechsel 2026/27 wird Silvesterfeuerwerk in den Niederlanden sogar ganz verboten sein.

Schon 2019 hatten die STADTGESTALER vorgeschlagen, die Bürger nach einem Probelauf des Großfeuerwerks entscheiden zu lassen, wie die Stadt zukünftig mit dem Feuerwerk umgehen soll (Selbst knallen oder Großfeuerwerk).

Zu klären wären von Bürgern und Bürgerinnen zwei Fragen: Zum einen, soll – soweit rechtlich möglich – privates Feuerwerk stadtweit verboten werden, nur auf bestimmte Bereiche beschränkt oder wie bisher ohne Einschränkungen zugelassen werden? Zum zweiten, soll die Stadt als Alternative zum privaten ein Großfeuerwerk gegebenenfalls mit Laser- und Drohnenshow veranstalten?

24 Apr.

Grillen in Bochum – Mehr Picknickplätze mit Grillstationen statt Verbote

Nur auf den ersten Blick gibt es in Bochum genug Orte, an denen die Einwohner und Einwohnerinnen grillen können. Auf vielen Grünflächen und Parks fehlen jedoch Picknickplätze mit Grillstationen. In der Folge sind einige Grünflächen zeitweise stark überlaufen, zum Beispiel der Ümminger See oder die Schmechtingwiese. Anderswo ist wiederum kaum was los. Die STADTGESTALTER wollen mit mehr und besseren Grill-Angeboten sowie einem stadtweiten Grillkonzept das Grillgeschehen besser organisieren und über die Stadt verteilen.

Die Menschen in Bochum und dem Ruhrgebiet lieben es zu grillen. Kaum ist es draußen warm genug, werden Freunde, Bekannte und Verwandte mobilisiert und die Grünflächen gestürmt, um sich am schönen Wetter zu erfreuen und gemeinsam zu grillen. Viele Parks sind voll mit grillenden Menschen, die das Leben genießen. Grillen ist ein fester Bestandteil des urbanen Lebens, auf den Wiesen der Städte zeigt sich wie lebendig und lebenswert die Städte sind.

Wenn zu viele Menschen grillen wollen, gibt es Ärger

An manchen Orten allerdings kommen zu viele Grillende auf zu wenige ausgewiesene Grillstellen. Am Ümminger See gibt es nur zwei, eher mickrige Grillflächen. Das Ordnungsamt schafft es nicht, die Grillregeln durchzusetzen, der Müll nimmt Überhand, wird zu spät entsorgt und fliegt bis dahin durch den ganzen Park. Zu viele Menschen fahren mit dem Auto an den See und parken mangels ausreichender Parkplätze wild auf Grünflächen. Für die vielen Menschen fehlen Toiletten, einige verrichten ihre Notdurft in den Büschen (WAZ vom 01.04.22). Das macht andere Menschen, die sich im Park erholen und anderweitig betätigen wollen, verständlicher Weise ärgerlich.

Das Grillen sollte besser organisiert statt verboten werden

Das Grillen am Ümminger See zu verbieten, wie es die CDU und Teile der SPD fordern, ist allerdings keine Lösung. Die STADTGESTALTER sind überzeugt, Verbote sollten immer nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn keine andere Lösung Wirkung zeigt. Die Möglichkeiten, das Grillen in Bochum besser zu organisieren, sind aber noch lange nicht erschöpft.

Mehr Picknickplätze mit Grillstationen – In Ländern, wo das Grillen ebenfalls sehr beliebt ist, verfügen fast alle Parks, Aussichtspunkte, Rastplätze und sonstige Grünflächen über Picknickplätze mit Grillstationen. Das sind öffentliche, häufig gemauerte Grills, auf die nur noch Grillkohle, Grillrost und Grillgut gelegt werden müssen und das Grillvergnügen kann beginnen. Dazu verfügen die Picknickplätze noch über ausreichend Abfallbehälter sowie feste Gruppen von Holzbänken und -tischen, die häufig sogar überdacht sind.

Picknickplatz mit Grillstation, Foto: Jim Henderson

Diese Plätze haben mehrere Vorteile. Sie weisen klar aus, an welchen Stellen gegrillt werden darf. Die gemauerten Grills sind sicherer zu benutzen als die mitgebrachten. Es wird verhindert, dass an Stellen gegrillt wird, wo das eigentlich verboten ist, zum Beispiel unter Bäumen. Entsprechend ist es für das Ordnungspersonal einfacher die geltenden Grillregeln durchzusetzen. Weitere Vorteile: Wer die öffentlichen Grillstationen benutzt, muss keine Einmalgrills mitbringen und die bleiben dann auch nicht im Park liegen. Auch muss man nicht mit dem Auto in den Park fahren, um dort den mitgebrachten Grill zu entladen, der Grill steht schon am Picknickplatz. Der Müll kann leichter entsorgt werden, die benötigten Abfallbehälter stehen gleich neben dem Grill, auch hitzebeständige für heiße Asche. Zudem sind die Stationen so massiv gebaut, dass Vandalismus kaum eine Chance hat. Die Hinterlassenschaften der Grillgesellschaften verteilen sich nicht über den ganzen Park, sie konzentrieren sich im Wesentlichen auf die Grillplätze. Die Reinigung und Entsorgung wird für Stadt und den USB einfacher.

Gemauerte Grillstation

Damit sich die Grillfreunde und -freundinnen nicht in wenigen Parks ballen, ist wichtig, dass die Stadt über viele attraktive Picknickplätze mit Grillstationen gut verteilt über das ganze Stadtgebiet verfügt. Gibt es viele gute Grillplätze in der Stadt, werden die jetzt überlaufenen auf die Dauer weniger angesteuert.

Reservierung von stark nachgefragten Grillplätzen – An Parks oder Grünflächen, wo trotzdem noch mehr Grillfreudige auf zu wenige Grillmöglichkeiten treffen, kann die Stadt zusätzlich eine Vorreservierung der Grillstationen einführen. Reservierungen könnten, ggf. gegen eine kleine Gebühr, online ermöglicht werden, über einen in der Nähe liegenden Kiosk oder einen sich vor Ort ohnehin aufhaltenden Grill-Scout, der das Grillgeschehen im Auge behalten soll.

Bewirtschaftung von Picknickplätzen – Für Tage, an denen viel gegrillt wird, wäre zu überlegen, ob es möglich ist, die Bewirtschaftung der Grillplätze an private Gewerbetreibende zu übertragen. Diesen könnte erlaubt werden an den Picknickplätzen nachgefragte Dinge zu verkaufen (Getränke, Eis, Grillgut, Grillgerät usw.), wären aber im Gegenzug verpflichtet, das Grillen zu organisieren, sofern nötig, Reservierungen entgegen zu nehmen und dafür zu sorgen, dass die Picknickplätze in einem guten und sauberen Zustand bleiben.

Ein stadtweites Grillkonzept würde helfen

Die STADTGESTALTER regen an, ein stadtweites “Grillkonzept” aufzustellen. Nur einzelne überlaufene Orte wie den Ümminger See zu betrachten, wo das Grillen zeitweise aus dem Ruder läuft, greift zu kurz, das Grillen sollte in der ganzen Stadt besser organisiert werden. Das Konzept sollte insbesondere festlegen:

  • Wo in der Stadt Picknickareale mit Grillstationen eingerichtet und aufgebaut werden sollten.
  • Wie zukünftig die zeitnahe Reinigung und Unterhaltung der Picknickplätze organisiert werden soll.
  • Für welche Grillstationen ggf. ein Reservierungssystem benötigt und eingerichtet werden sollte.
  • An welchen Picknickplätzen ggf. die Bereitstellung von Toilettenanlagen sinnvoll sein könnte.
  • Wie die Stadt sicherstellt, dass die Grillregeln konsequent und immer dann, wenn es erforderlich ist, durchgesetzt werden.
  • Wie die bestehenden städtischen Grillregeln sinnvoll an das neue Konzept angepasst werden müssen. Dazu wäre unter anderem zu klären, ob das Grillen, auch mit mitgebrachten Grills weiterhin erlaubt sein soll oder z.B. nur im Umkreis der Grillstationen.

Funktioniert das Grillen in den Parks ist das gut für das Image der Stadt

Mit einem funktionierenden Grillkonzept kann die Stadt in Sachen Lebensqualität punkten und sich von anderen Städten positiv abheben. Von den Stadtbewohner*innen geliebte, saubere Parks und Grünflächen, in denen das städtische Leben pulsiert, wo sich Menschen aller gesellschaftlichen Schichten treffen, zusammen essen, lachen, spielen sowie Sport treiben und allen ihren Vorlieben nachgehen können, ohne andere zu stören, machen eine attraktive Stadt aus.

Eine smarte Stadt, ermöglicht den Einwohnern und Einwohnerinnen im öffentlichen Raum, die Dinge zu tun, die das Leben ausmachen. Dazu gehört gerade in Bochum und dem Ruhrgebiet auch sich mit Freunden, Bekannten und Verwandten im Grünen zum Grillen zu treffen. Generell gilt, Verbote sind keine Alternative zu intelligenten Lösungen, die es möglichst allen Menschen möglich machen, in der Stadt das zu unternehmen, was sie sich wünschen.