22 Aug.

Klimaanpassung und Folgen des Klimawandels – Kaum bezahlbar für Bochum

Klimaanlagen für Schulen, Seniorenheime und Krankenhäuser, die Stadt zur Schwammstadt machen, mehr Bäume für mehr Schatten pflanzen, die Feuerwehr fit für Waldbrände machen, für zusätzliche Bewässerung in der Landwirtschaft sorgen. Dürre und Hitze der letzten Monate haben gezeigt, es kommt einiges auf die Stadt zu und das wird sehr teuer.

Vom 21.06. bis 16.08.2026 fielen in Bochum gerade mal 31,1 mm Niederschlag, in den letzten 3 Monaten insgesamt 56,6 mm. 21 Hitzetage mit Höchsttemperaturen von über 30 °C (Historische Wetterdaten Bochum) wurden in Bochum 2026 bis heute gezählt. Vor 50 Jahren waren noch 6-8 Hitzetage normal (Klimawandel in Bochum).  

Eine Entwicklung, die sich nicht mehr aufhalten lässt 

Trockenheit, Dürre und Hitzewellen hatten Bochum in diesem Sommer fest im Griff. Zwar wird nicht jeder Sommer in den nächsten Jahren ein Extremsommer sein, doch wird durch den fortschreitenden Klimawandel die Häufigkeit der Extremwetterereignisse in den nächsten Jahren aber deutlich zunehmen. Ebenso werden die Temperatur- und Dürrerekorde alle paar Jahre geknackt werden.  

Diese Entwicklung lässt sich nicht mehr aufhalten. Mangelnde Bereitschaft zum Klimaschutz und zur konsequenten Reduzierung der Erzeugung von Treibhausgasen, wie sie ebenfalls in Bochum fehlt, werden in den nächsten zwei Jahrzehnten zur weiteren Klimaerwärmung führen. Das bedeutet für Bochum mehr Trockenheit und Unwetter, insbesondere Starkregen und Hitze. Darauf muss sich die Stadt einstellen. 

Klimaschutz bleibt vorrangig 

Was danach geschieht ist ungewiss. Steigt die Konzentration der Treibhausgase weiter, kann es in zwanzig Jahren und später auch zu einem Kippen des Klimas kommen. Was wiederum andere Folgen für das Wetter bedeutet. Reißt etwa der Golfstrom im Atlantik (AMOC) ab, kann es in Nordwesteuropa besonders in den Wintermonaten drastisch kälter (im Jahresmittel um 5 – 10°C) werden (Was passiert, wenn der Golfstrom ausfällt?). 

Klimaschutz bleibt also auch in Bochum vorrangiges Thema. Trotz bereits 2019 erklärtem Klimanotstand verfolgt die Stadt bisher jedoch keine Strategie zur konsequenten Reduzierung der Treibhausgase (Klimaneutral 2035? Bochum kann das Ziel nicht erreichen). Die beschlossene Nachhaltigkeitsstrategie dient allein als Alibi- und Marketingmaßnahme, die mit lächerlichen Mikromaßnahmen zu verschleiern versucht, dass die Politik nicht ernsthaft bereit ist, die Dinge zu unternehmen, die nötig sind, um Klimaneutralität zu erreichen (Stadt will mit „Stadtradeln“ und Foodsharing Klimaneutralität erreichen). 

Was ist für die Klimaanpassung zu tun? 

Auch Bochum tut also zu wenig, um die anhaltende Klimaerwärmung zu verhindern. In der Folge muss sich die Stadt wie alle anderen auf die Folgen der sich schnell verändernden Klimabedingungen einstellen und daran anpassen. Das betrifft insbesondere drei Faktoren: Zunehmende Hitze, längere Dürreperioden ohne nennenswerte Niederschläge, mehr Extremwetterereignisse, insbesondere Starkregen, Überschwemmungen und Stürme. 

Klimaanpassung ist in folgenden Bereichen notwendig: 

Industrie – Die Klimaerwärmung hat auch auf die lokale die Wirtschaft der Stadt erhebliche Auswirkungen. Die anhaltende Dürre bedeutet zum Beispiel, dass in den letzten Monaten aufgrund des Niedrigwassers im Rhein die Erzlieferungen nach Duisburg zu den Hochöfen von Thyssenkrupp reduziert werden mussten, da die Rheinschiffe nicht mehr voll beladen werden konnten. Die Roheisenerzeugung wurde entsprechend gedrosselt (Welche Folgen haben Dürre und Niedrigwasser für die Wirtschaft?).  

Das wiederum hat Folgen für die Weiterverarbeitung des Roheisens in Bochum. Die Stahlproduktion muss den verfügbaren Mengen an Rohstoffen angepasst werden Dazu wird die Roheisenproduktion teurer, damit auch der in Bochum erzeugte Stahl. Die Wettbewerbsfähigkeit zu Standorten, an denen die Eisen- und Stahlproduktion, wie in Schweden, gleich neben den Eisenerzgruben und der Wasserstofferzeugung liegen, sinkt weiter.

Gleiches gilt für jede industrielle Produktion, die auf die Binnenschifffahrt als Transportweg angewiesen ist. Der Klimawandel gefährdet ihre Existenz. 

Landwirtschaft – Die Bauern in Bochum klagen über schlechte Ernten. Besonders bei Kartoffeln und Weizen werden Ernteverluste gemeldet. Für die Erzeugung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die viel Wasser brauchen, scheidet Bochum mittlerweile aus. Die Bewässerung ist zu teuer (WAZ vom 21.08.2026). Auch würde eine Bewässerung den Grundwasserspiegel belasten, der ohnehin schon unter den vermehrt auftretenden Dürren leidet. 

Die Bochumer Bauern könnten ein weiteres wirtschaftliches Standbein gebrauchen. Agri-PV wäre eine Lösung. PV-Anlagen auf Feldern könnten auch für Schatten für die Fürchte darunter sorgen und den Boden vor Austrocknung schützen (Riesiges Potential – Flächen in Bochum für Landwirtschaft und Energieerzeugung gleichzeitig nutzen). 

Wasser – Bochum zählt schon heute zu den Städten in denen Grundwasserstress herrscht (Grundwasserstudie BUND). Es wird mehr Grundwasser entnommen als neu gebildet wird. Der Grundwasserspiegel sinkt. Nach der Dürre 2026 liegen die Grundwasserpegel aktuell bei „sehr niedrig“ (Grundwasserstände und Vorhersagen). Wie lang es dauern wird, bis sie sich wieder erholt haben, ist fraglich. 

Grundwasser ist eine besonders wichtige Ressource. Das Grundwasser versorgt Pflanzen und Böden: Es stellt die Grundlage dar, für ein einzigartiges Ökosystem für Kleinsttiere und Mikroorganismen.  

Zudem speist das Grundwasser Bäche und Flüsse. Das Bochumer Trinkwasser wird wiederum aus Oberflächenwasser gewonnen, also aus Talsperren und Flüssen wie der Ruhr (Bochumer Trinkwasser). Fehlt hier das Wasser muss die Wasserentnahme eingeschränkt werden. Entsprechend wurde Mitte Juli die private Wasserentnahme aus der Ruhr von der Bezirksregierung Arnsberg bereits vorsorglich untersagt (Bezirksregierung Arnsberg untersagt Wasserentnahme).  

Aber auch für wirtschaftliche Zwecke sind wir abhängig vom Grundwasser (Grundwasserstudie BUND). Dauerhaft sinkende Grundwasserspiegel gefährden also unsere Lebensgrundlage. 

Aufgrund der Klimaerwärmung fällt Regen nicht mehr über das Jahr verteilt, sondern vermehrt in kurzen Starkregenperioden. Mit dem Übermaß an Wasser kommt die hochversiegelte, in großen Teilen zuasphaltierte und zugepflasterte Stadt nicht klar. Ein Großteil des Wassers versickert nicht und kann damit den Grundwasserspiegel nicht wieder auffüllen, es wird durch das Abwassersystem abgeleitet. 

Die Stadt muss so umgebaut werden, dass das Wasser auch bei Starkregen möglichst vollständig versickert. Bochum versucht daher Schwammstadt zu werden (Schwammstraßen ermöglichen mehr Grün und größere Straßenbäume).  Doch einige wenige Straßen in Schwammstraßen umzubauen, ist zu wenig. Ein stadtweiter Umbau ist erforderlich. Das betrifft sowohl die Entsiegelung von großen Flächen wie die Ableitung des Regenwassers zur Versickerung in Rigolen. Die Stadt steht vor gewaltigen Anstrengungen, die dazu sehr teuer sind. 

Darüber hinaus sollten Gebäude in Zukunft über dezentrale Regenwasserspeicher verfügen, um auch in Dürreperioden genug Wasser vorhalten und verbrauchen zu können. Insgesamt muss der Wasserverbrauch deutlich reduziert werden. Zukünftig ist damit zu rechnen, dass auch in Bochum bei Wasserknappheit die Gartenbewässerung, das Auffüllen von Pools und Planschbecken sowie das Auto-Waschen auf Privatgrundstücken oder das Abspritzen von Wegen und Terrassen verboten wird. 

Maßnahmen gegen die Verdunstung, wie die Pflanzung von mehr Bäumen, ist eine weitere Maßnahme, die zur Grundwassererhaltung nötig ist. 

Hitzeschutz – Schulen, Schulhöfe, Seniorenheime, Krankenhäuser und andere Einrichtungen sind in Bochum nicht auf Perioden mit vielen Hitzetagen (Tagen mit Temperaturen über 30°C) vorbereitet. Die Gebäude müssen mit Klimaanlagen und anderen Vorkehrungen zum Hitzeschutz nachgerüstet werden. Anlagen zur Herunterkühlung des Raumklimas werden zusätzliche Energie verbrauchen. Auch diese Maßnahmen sind also alles andere als billig.  

Eine andere Möglichkeit, die Menschen vor Hitze zu schützen, ist Schatten. Die besten Schattenspender sind Bäume. Kahle Straßen, Plätze oder Schulhöfe ohne Bäume haben keine Zukunft. Systematisch muss die Stadt dort Platz für Bäume Schaffen, wo Schatten fehlt.  

Helles Pflaster, weiße Fassanden sowie weiß eingefärbter Asphalt und Dachbegrünungen sowie grün bewachsene Hauswände verhindern, dass die Hitze sich in Steinen und Asphalt aufstaut. Auch in dieser Hinsicht hat die Stadt noch viel zu tun. 

Aber nicht nur Manschen, sondern besonders junge Pflanzen brauchen ebenfalls Hitzeschutz. Diese müssen die ersten zwei bis drei Jahre gewässert werden, sonst überleben sie langanhaltende Dürreperioden nicht. Die vielen Bilder von vertrockneten Jungbäumen zeigen, die Stadt ist bisher auf dieses Szenario nicht eingestellt. Die Stadt muss ein Konzept entwickeln, wie sie dafür sorgt, dass die Pflanzen auch Sommer mit wenig Regen und viel Hitze durchstehen. 

Extremwetter und Brände – Die Stadt wird sich zudem auf mehr und heftigere Starkregenereignisse, Überschwemmungen an der Ruhr, Stürme und Waldbrände vorbereiten müssen. 

Das Abwassersystem, Kanäle wie Regenrückhaltebecken müssen auf ganz andere Regenmengen angepasst werden. Auch hierzu sind entsprechend teure Investitionen notwendig. Bereits heute sind bei den Planungen die Wetterereignisse zu berücksichtigen, die in 10 bis 15 Jahren zu erwarten sind 

Feuerwehr und Rettungsdienste müssen auf Katastrophenfälle aufgrund von Extremwetterereignissen oder Bränden eingestellt sein. Wälder müssen so verändert werden, dass sie selbst bei extremer Trockenheit nur schwer brennen. Straßenbäume müssen auch stärkeren Stürmen trotzen. Entsprechend häufiger sind sie auf Standfestigkeit und tote Äste zu überprüfen. 

Die Herausforderungen für die Stadt sind riesig 

Die Stadt steht also vor immensen Aufgaben. Es müssen ganz viele Maßnahmen auf einmal bewältigt werden. Zum anderen sind die finanziellen Herausforderungen riesig. Das Geld für die nötigen Maßnahmen haben die Kommunen nicht, schon gar nicht arme Städte wie Bochum. Allein um die Städte vor Hitze und Extremwetter zu schützen fordert der Deutsche Städtetag von Bund und Ländern mindestens 8 Mrd. Euro pro Jahr (Ohne handlungsfähige Kommunen kein Hitzeschutz).  

Aber auch wenn Bund und Länder Geld bereitstellen, wird das nicht ausreichen. Die erforderlichen Summen müssen im städtischen Haushalt an anderen Stellen eingespart werden. Ein spürbarer Wohlstandsverlust wird kaum vermeidbar sein. 

Seit den 80er Jahren ist bekannt, was der Klimawandel für Folgen haben wird. Die Bereitschaft die erforderlichen Maßnahmen zum Klimaschutz zu treffen, um die Erwärmung zu verhindern, bestand und besteht nicht, das gilt für Bochum wie für viele Städte und Länder der Welt. Die hohen Kosten und erheblichen Folgen, sind also das Ergebnis von eklatanten Versäumnissen der Politik. 

Jetzt, wo immer deutlicher wird, wie teuer die Folgen des Klimawandels und der nötigen Klimaanpassungsmaßnahmen werden, sollte der Politik klar werden, was weitere Verzögerungen beim Klimaschutz, bedeuten. Jedes Grad mehr, kostet Unsummen. Kippt das Klima gar und wird die Lage unbeherrschbar, wird eine Klimaanpassung kaum mehr möglich sein. 

In der frühen Menschheitsgeschichte sind die Menschen, wenn die Klimaanpassung nicht mehr gelang, in klimatisch erträglichere Regionen weitergezogen. Diese Möglichkeit gibt es in unserer modernen Zeit nicht mehr.