21 Feb

Ranking der Stadtplätze

Über 80 Plätze gibt es in Bochum und Wattenscheid. Doch die Gestaltung ist in der Regel ideen- bis trostlos und die Aufenthaltsqualität mäßig bis gar nicht vorhanden. Nicht ein einziger Platz verfügt über eine gute oder sehr gute Platzqualität.

Auf Stadtplätzen pulsiert das Leben, hier treffen sich die Menschen. “Sehen und gesehen werden” ist regelmäßig das Motto auf den Plätzen in den Innenstädten oder auch den Stadtteilen. Die Plätze sind zugleich Identifikationspunkte, die man gerne dem Besuch präsentiert, um zu zeigen, was in der Stadt so los ist, in der man gerne lebt.

Bewertung und Ranking der Bochumer Stadtplätze

Nicht so in Bochum und Wattenscheid, da herrscht auf vielen Plätzen Tristesse. 35 von 80 Plätze dienen ganz oder teilweise als Parkplätze, über 22 führt mittendurch eine Straße. Unter diesen Umständen kann Verweilqualität kaum vorhanden sein.

Platzqualität und -attraktivität der Bochumer Plätze – Karte

Auch die Gestaltung ist ein Problem. 61 von 80 Plätzen sind trost- oder ideenlos gestaltet. Die Gestaltung dieser Plätze zeichnet sich zumeist durch nicht mehr aus als eine asphaltierte oder öde gepflasterte Fläche auf der wahllos ein paar Bäume stehen. Einladende oder ansprechende Gestaltungselemente, die zum Sitzen und Verweilen einladen, sucht man vergeblich. Ziel war es offensichtlich nicht, Menschen auf diese Plätze zu locken im Vordergrund stand allein, gute Reinigungsmöglichkeiten und die Schaffung von billigem Parkraum. Wenn Menschen, die das Ruhrgebiet aufsuchen, die Stadtgestaltung als trist und ideenlos empfinden, dann liegt das besonders an den unattraktiven Plätzen, die genau diesen Eindruck vermitteln.

So sind 36 Bochumer Plätze gar nicht oder nur sehr eingeschränkt zum Verweilen geeignet, auf 35 von 80 Plätzen ist nicht mal im Ansatz so etwas wie Aufenthaltsqualität vorhanden.

Platzqualität und -attraktivität der Bochumer Plätze – Liste

Insgesamt ist bei fast der Hälfte der Plätze die Qualität und Attraktivität ungenügend (38). Bei 15 weiteren Plätzen ist sie mangelhaft. Kein einziger Platz in der Stadt zeichnet sich durch eine gute oder sehr gute Platzqualität bzw. -attraktivität aus. Besonders vorzeigbar ist eigentlich kaum ein Platz in Bochum und Wattenscheid. Plätze wie August-Bebel-Platz, Buddenbergplatz, der “Platz des Friedens und der Völkerverständigung” im Uni-Center oder der Amtsplatz in Hamme hätten dagegen europaweit Chancen für ihre außerordentliche gestalterische Trostlosigkeit negative Auszeichnungen zu gewinnen.

Überplanung der Bochumer Plätze sollte Kernaktivität der Bochum-Strategie werden

Immerhin soll jetzt der Husemannplatz in der Innenstadt für vier Mio. Euro zu einem modernen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität umgestaltet werden. Das Projekt wird damit doppelt so teuer wie bei der Ausschreibung gedacht. Qualität hat ihren Preis. Eine Erkenntnis, die in Bochum noch recht neu ist. Bei Maßnahmen zur Steigerung von Lebens- und Wohnqualität wurde, anders als beim Straßen- und Parkhausbau, bisher immer gespart. Erst langsam vollzieht sich auch hier ein Sinneswandel.

Um die Stadt attraktiver zu machen werden mittel- bis langfristig alle Stadtplätze überplant und neu gestaltet werden müssen. Spannende Plätze, die die Einwohner der Stadt gerne aufsuchen, wo sie sich mit Nachbarn, Freunden und Bekannten treffen und Lust haben Zeit zu verbringen, müssen vielfältig und grün gestaltet werden. “Plätze zum Leben statt Parkplätze” sollte ein Grundsatz bei der Gestaltung lauten. Die STADTGESTALTER haben zur Neugestaltung einiger wichtiger Stadtplätze bereits Vorschläge gemacht, u.a. zum Hans-Ehrenberg-Platz, dem Amtsplatz Hamme, dem Propsteiplatz, dem Rathausplatz und zum August-Bebel-Platz. Die Grundidee ist immer die gleiche, die Plätze weit möglichst vom Verkehr zu befreien und stattdessen spannende neue Nutzungs- und Verweilmöglichkeiten für Menschen jeden Alters schaffen.

Jeder Platz sollte seinen eigenen Charakter besitzen und sein eigenes Thema. Die Plätze der Stadt sollten unverwechselbar sein, denn sie sind für die Stadt und die Stadtteile identitätsstiftend. Die Attraktivität der Stadtteile wie der Innenstädte wird besonders geprägt von den Plätzen. Wer eine Stadt besucht und besichtigt hat, dem bleiben besonders die Plätze in Erinnerungen. Plätze sind häufig Orte für erinnerungswürdige Erlebnisse in der Stadt, von besonderen privaten Treffen, zu denen man sich hier verabredet hat, bis zu Veranstaltungen, die hier stattgefunden haben.

Seit 2013 mahnen die STADTGESTALTER an, dass die Stadt dem Thema Platzgestaltung erheblich mehr Aufmerksamkeit schenken sollte (Bochum und seine Bausünden – Die Plätze, vom 10.08.13). Bei diesem Thema muss mehr passieren. Nur für Husemann- und Rosenbergplatz liegen aktuell Umgestaltungspläne vor, die umgesetzt werden sollen. Andere Plätze, wie Hans-Ehrenberg- und August-Bebel-Platz, sollen nach dem Wunsch der Politik zwar umgestaltet werden, doch die Planungen dauern viel zu lange. Es wäre hilfreich, wenn die Stadt alle städtischen Plätze in eine Prioritätsliste einreiht, mit der festgelegt wird, welche Plätze in welcher Reihenfolge umgestaltet werden sollen und diese Liste dann konsequent, Platz für Platz abarbeitet. Aktuell werden viel zu oft Umgestaltungen angedacht, erste Planungsarbeiten durchgeführt, die dann aber wieder im Sand verlaufen, weil zunächst andere Projekte vorgezogen werden. Bei dieser Arbeitsweise werden unnütz personelle Ressourcen vergeudet.

Damit das Thema “Plätze neu gestalten” zukünftig bei der Stadtentwicklung besonders im Fokus steht, sollte es zu einer Kernaktivität der Bochum-Strategie werden.

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