27 Sep.

Sportpark Feldmark – 2,6 Mio. für einen Ersatzwald im Münsterland 

Die Stadt gleicht für 2,6 Mio. Wald aus, fällt Bäume und stellt dann fest, dass sie das Geld gar nicht hat, den Sportpark ohne Fördermittel selbst zu bauen. Die Geschichte einer Fehlplanung. 

Die Idee war gut, die Umsetzung konfus und wenig nachvollziehbar. Dazu wird das Projekt unsinnig teuer. 

Die Idee 

Im Jahr 2021 überlegte sich die Verwaltung im Rahmen der Planungen für das neue Wohngebiet Ostpark, aus der bestehenden Radstrecke Walter-Lohman-Ring in der Feldmark den Sportpark Feldmark zu entwickeln. Die bisherige Radstrecke, die durch einen Wald führt, sollte um ein Multifunktionsgebäude mit WCs, Duschen und Umkleideräumen, einen Trial-Parcours (künstliche und natürliche Hindernisse zur Fahrtechnikschulung) und einen Pumptrack (wellenartige, asphaltierte Strecke als geschlossener Rundkurs) erweitert werden, die Mountainbike-Strecke sollte weiter ausgebaut werden. Dazu waren ein Spielplatz, eine überdachte Multifunktionsfläche, Calisthenics, eine urbane Kraftsportfläche und Ähnliches vorgesehen (Vorlage 20213787).  

Also beschloss der Rat 2022 einen Bebauungsplan aufzustellen. Die Bezirksvertretung Ost regte dazu an, Wald und Vegetation weitgehend zu erhalten und zur inhaltlichen Gestaltung des Sportparks eine Bürgerbeteiligung durchzuführen (Vorlage 20220272). Der Verwaltung gelang es für das Projekt 500.000 Euro Förderung aus dem Programm „Moderne Sportstätte 2022 einzuwerben.  

Der verschwiegene Waldausgleich 

Doch einen Umstand hatte die Verwaltung Politik, Einwohnern und Einwohnerinnen verschwiegen. Die Fläche, auf der sich der Walter-Lohmann-Ring befindet, ist als Wald qualifiziert. Wird eine solche Fläche zu einem Sportpark, muss diese in eine Sportfläche umgewandelt werden und der Wald ausgeglichen werden. Auch wenn für die Errichtung der zusätzlichen Sportanlagen nur relativ wenige Bäume gefällt werden müssen, ist trotzdem die gesamte Fläche auszugleichen.

Im konkreten Fall ist die 68.000 qm große Fläche kein Wald im Sinne des Flächennutzungsplans mehr, sondern wird diese zukünftig als Sportgelände genutzt. Es musste also als Ausgleich ein 121.711 qm großer Wald neu gepflanzt werden. Da eine solch große Fläche in Bochum nicht vorhanden war, wurde der Ersatzwald im Münsterland geschaffen. Das kostete die Stadt 2,6 Mio. Euro. Von diesen gewaltigen Kosten erfuhr die Politik erst 2026 auf Nachfrage (Vorlage 20261674). 

Ohne Fördermittel läuft nichts 

Aufgrund des Kostenproblems passierte also erstmal drei Jahre nichts. Die ganzen Kosten allein stemmen konnte und wollte die Stadt nicht.  

Ende 2025 wurde die Verwaltung auf das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten (SKS)“ aufmerksam. Überstürzt sollte ein Förderantrag gestellt werden. Ohne dass bis dahin ein Plan bzw. eine Projektskizze vorlag, aus der zu ersehen gewesen wäre, was die Stadt auf der Fläche wo genau errichten wollte, entschied der Stadtrat im Dezember 2025, die Stadt solle sich für die entsprechenden Fördergelder bewerben (Vorlage 20261267). Auf die von der Bezirksvertretung Ost angeregte Bürgerbeteiligung wurde stillschweigend verzichtet. 

Dafür aber fällte die Stadt bereits am 12. Januar 2026 34 Bäume auf dem Gelände und entfernte das Unterholz (Pressemeldung Fällarbeiten Feldmark). Das alles weiterhin, ohne dass darüber entschieden worden war, was wo überhaupt auf dem Gelände gebaut werden sollte. Die Fällungen erfolgten ohne vorliegendes Baurecht, denn der Bebauungsplan war immer noch nicht beschlossen. Auch die Finanzierung war nicht geklärt. Für die nötigen Finanzmittel in Höhe von geschätzten 4,5 Mio. Euro gab es keine Zusage. Der Förderantrag wurde erst drei Tage nach Beginn der Fällungen, am 15.01.2026, gestellt. 

Der Weg zur Basisvariante 

Ende Mai 2026 wurde der Sportausschuss informiert, dass die Verwaltung aktuell drei Planungsoptionen verfolge: Variante 1 – Vollausbau: Die Umsetzung der Gesamtanlage, wenn die beantragten Fördermittel bewilligt würden, Variante 2 – Basisvariante: Umsetzung eines Basiszustandes mit Minimalausstattung, Variante 3 – Durchführung nur von vorbereitenden und infrastrukturellen Maßnahmen. Wiederum wurden zu allen drei Varianten keine Pläne veröffentlicht (Vorlage 20261627). 

Einen Monat später beschloss der Rat, weiterhin ohne genaue Planungen zu kennen, den Bebauungsplan, um den Bau des Sportparks rechtlich zu ermöglichen (Vorlage 20260957). Der Antrag von STADTGESTALTER/Volt (20261623), maximal eine Basisvariante umzusetzen, wurde abgelehnt. 

Wiederum drei Monate später soll der Rat nunmehr am 01.10.2026 beschließen, nur die Basisvariante zu realisieren, weil eine Förderung des Projekts durch den Bund nicht bewilligt wurde (Vorlage 20261646).  

Die Umsetzung der Basisvariante soll die Stadt 2,1 Mio. Euro kosten, hinzu kommen die 2,6 Mio. für den Waldausgleich. Insgesamt soll das Projekt also 4,7 Mio. Euro teuer werden. Das sind sogar noch 0,2 Mio. mehr als bisher als für den Vollausbau des Sportparks veranschlagt wurden. Einen Plan, was wie und wo auf dem Gelände gebaut werden soll, enthält auch die aktuelle Vorlage nicht. Ebenso werden die 2,6 Mio. für den Waldausgleich, wie schon in allen Beschlussvorlagen zuvor, verschwiegen. Es wird bewusst der falsche Eindruck erweckt, das Projekt koste nur 2,1 Mio..  

Mehr als fragwürdige Verwaltungsplanung 

Eigentlich hätte man das Projekt wie folgt angehen müssen: Zunächst plant man unter Einbeziehung der Einwohner und Einwohnerinnen, was auf dem Gelände entstehen soll. Im besten Fall werden dabei schon verschiedene Planungsvarianten entwickelt. Dann kalkuliert man, was die Realisierung der unterschiedlichen Planungsoptionen kostet, klärt welche rechtlichen, umwelttechnischen Anforderungen zu beachten sind und ergründet, ob und ggf. welche Möglichkeiten der Förderung bestehen.  

Auf dieser Grundlage beschließt die Politik dann unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Bürgerbeteiligung ob und ggf. welche Planungsvariante unter welchen Rahmenbedingungen (z.B. mit oder ohne Förderung) umgesetzt werden soll. Danach erst, wird ein Bebauungsplanverfahren angestoßen, Wald ausgeglichen oder werden gar Bäume gefällt.  

In Bochum hat man nicht mal einen konkreten Plan, beschließt schon einen Bebauungsplan, fällt Bäume, gleicht Wald für Millionen Euro aus, um dann doch nur das Bestehende durch einige wenige Basismaßnahmen aufzuwerten. So entsteht am Ende viel Kosten- und Zeitaufwand für wenig Output. 

Wären die 2,6 Mio. für den Waldausgleich nicht bereits geflossen und die 34 Bäume nicht schon gefällt, hätte die Politik das Projekt aufgrund fehlender ausreichender Förderung wohl beerdigt. So ist allerdings schon ein Großteil des nötigen Geldes ausgegeben und die Bäume sind weg. Die Politik wird quasi gezwungen, jetzt wenigsten die Basisvariante umzusetzen, damit Ausgleich und Fällungen überhaupt noch irgendeinen Sinn gehabt haben. 

Das Vorgehen der Verwaltung war höchst fragwürdig. Für die 4,7 Mio., die jetzt wohl ausgegeben werden, hätte man an anderer Stelle deutlich mehr erreichen können. Die Politik muss die Verwaltung zukünftig dazu verpflichten, ein geordnetes Planungsverfahren einzuhalten und die beschlossenen Planungen dann auch konsequent zu verfolgen. Ohne dass konkrete Planungen, Entscheidungsgrundlagen und Finanzierungszusagen vorliegen, darf die Politik der Verwaltung keine freie Hand lassen, Fakten zu schaffen, die nicht mehr rückholbar sind. 

Der Planungsablauf zum Sportpark Feldmark kann zukünftig als Anschauungsobjekt dafür dienen, wie man es in Zukunft bitte nicht mehr macht. 

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