01 Sep

Angstecken sicher machen

Wie sicher sind Bochum und Wattenscheid? Seit dem es Internet und soziale Medien gibt, wird über jeden Raub, Überfall schweren Einbruch oder sonstige öffentlichkeitswirksamen Straftaten gleich mehrfach ausführlich berichtet. Als es nur die Zeitungen gab, war der Nachrichtenplatz begrenzt, über nur wenige Straftaten konnte berichtet werden. Für eine Berichterstattung musste schon etwas Außergewöhnliches, Schlimmes oder eine Straftat mit besonderem Ausmaß passiert sein, sonst erfuhren die Menschen in der Stadt davon nichts.

Zahl der Straftaten in der Stadt sinkt seit Jahren

Wie entwickelte sich die Straftaten in den letzten Jahren tatsächlich? Die Kriminalstatistik der Polizei Bochum gibt dazu Auskunft.

Straftaten insgesamt

Straftaten insgesamt – Zu Beginn der 2.000er-Jahre zählte die Polizei in Bochum jeweils um die 40.000 Straftaten pro Jahr. Im Ausnahmejahr 2005 sogar über 50.000 Straftaten. Ab 2007 verringerte sich die Gesamtzahl auf um die 37.000 Straftaten jedes Jahr. Ab 2015 fiel die Zahl dann bis auf 32.048 im Jahr 2018. Das sind mehr als 18.000 Straftaten weniger als 2005, ein Minus von 36% (Grafik Straftaten insgesamt).

Die Gesamtzahl der Straftaten entwickelt sich also überaus positiv. Die Stadt ist seit 2005 deutlich sicherer geworden.

Wie sieht es aber bei einzelnen Bereichen der Kriminalität aus?

Gewaltkriminalität

Gewaltkriminalität – Dazu werden insbesondere die Delikte Mord, Totschlag Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Raub, räuberische Erpressung, Körperverletzungen, Geiselnahme, Menschenraub gezählt.

Bis 2010 nimmt hier die Zahl der Delikte zu von 1.334 im Jahr 2002 auf 1.643 2010, dann nimmt sie wieder ab bis auf 1.304 Fälle im letzten Jahr. 2018 wurden 344 weniger Straftaten in diesem Bereich gezählt als 2010. Das ist ein Rückgang von fast 21% (Grafik Gewaltkriminalität).

Auch diese Zahlen zeigen, die Entwicklung ist positiv, die Stadt wird sicherer.

Straßenkriminalität

Straßenkriminalität – Dazu zählen alle Delikte, die auf Straßen, Wegen und Plätzen geschehen, das sind u.a. Delikte wie sexuelle Belästigung, Raubüberfälle, Handtaschenraub, Diebstahl, gefährliche und schwere Körperverletzung.

Bis 2006 lag die Zahl der Fälle von Straßenkriminalität bei rund 11.000 pro Jahr, dann sank die Zahl bis 2018, auf dann 6.918. Die Zahl hat sich zwischen 2005 (11.683) um über 40%, das sind 4.765 Fälle, verringert (Grafik Straßenkriminalität).

Auch auf den Straßen und Plätzen der Stadt hat somit die Zahl der Straftaten seit 2006 deutlich abgenommen.

Wohnungseinbrüche

Wohnungseinbrüche – Die Zahl der Wohnungseinbrüche lag zwischen 2002 und 2010 jedes Jahr zwischen 1.000 bis 1.200 pro Jahr. Dann stieg die Zahl stark an, bis auf fast 1.800 im Jahr 2015, bis wieder erheblich absank auf jetzt 775 im Jahr 2018 (Grafik Wohnungseinbrüche).

Auch in diesem Bereich wurde im letzten Jahr der tiefste Stand an Straftaten seit 16 Jahren erreicht.

Offenbar arbeitet die Polizei in Bochum also sehr erfolgreich. Die Zahl der Straftaten nimmt seit Jahrzehnten immer weiter ab.

Warum verschlechtert sich das Sicherheitsgefühl der Menschen?

Ganz anders aber stellt sich häufig die Wahrnehmung dar. Viele Menschen sind der Ansicht die Stadt sei nicht sicherer sondern unsicherer geworden. Woran liegt das?

Wie zu Anfang bereits angesprochen hat die Zahl der Nachrichten und Berichte über Straftaten immer weiter zugenommen. Subjektiv entsteht der Eindruck, es wird mehr berichtet, also muss auch mehr passieren.

Auf der anderen Seite gibt es Orte in der Stadt, an denen sich die Menschen unsicher fühlen. Heruntergekommene Straßenzüge, unübersichtliche, schlecht ausgeleuchtete Orte mit städtebaulichen Defiziten erzeugen ebenfalls bei vielen Menschen Gefühle der Unsicherheit. Beklagt werden zu viele dunkle Angst-Ecken, besonders an Haltestellen oder in Bereichen, wo zu bestimmten Zeiten wenig los ist. Die Unterführung von der Hermannshöhe zur Kreuzstraße, der August-Bebel-Platz und die Hochstraße, manche Ecken der Hustadt, die S-Bahnsteige in Langendreer oder der Buddenbergplatz, hinter dem Bahnhof sind solche Orte, die Menschen lieber meiden, besonders wenn es dunkel wird.

Was muss getan werden, um das Sicherheitsgefühl zu verbessern?

Es reicht also nicht, dass Polizei und Stadt Straftaten erfolgreich bekämpfen. Es muss auch baulich etwas geschehen. Unsichere Orte müssen systematisch erfasst und dann umgebaut werden, zum Einen um Straftaten vorzubeugen, zum Anderen um das Gefühl der Sicherheit zu erhöhen. So sollten Plätze besonders in der Nacht keine dunklen, uneinsehbaren Ecken und Nischen bieten, die potentiell unbemerkt für Straftaten genutzt werden könnten. Häufig erhöhen auch mehr Licht und helle Farben das Sicherheitsgefühl. Sind Plätze und Straßen optisch besser gestaltet, halten sich dort mehr Menschen auf die soziale Kontrolle steigt, die Angst nimmt ab. Auch Orte in der Stadt mit heruntergekommenen Gebäuden müssen beseitigt werden.Um so ansprechender das Bild ist, das eine Straße bietet, um so sicherer fühlen sich die Menschen.

Im Rahmen der Stadtentwicklungskonzepte wurde u.a.in Wattenscheid und der Hustadt untersucht, wie man das Sicherheitsgefühl in den Stadtteilen erhöhen können. Das ist in der Hustadt nur teilweise gelungen, insbesondere Senioren fühlen sich an vielen Orten immer noch unsicher (WAZ vom 23.02.2018). Ergebnisse aus Wattenscheid liegen noch nicht vor. In jedem Fall muss also noch mehr getan werden, auch in vielen anderen Stadtteilen.

Die Stadt sollte bei der Stadtplanung ein besonderes Augenmerk auf Sicherheit legen. Zu überlegen wäre im Haushalt der Stadt ein eigenes Budget vorzusehen, dass dafür ausgegeben wird im gesamten Stadtgebiet Angstecken zu erkennen und zu beseitigen, denn ein hohes Sicherheitsgefühl ist ein wesentlicher Faktor für Lebensqualität und eine attraktive Stadt zeichnet sich durch eine hohe Lebensqualität aus.

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