26 Mai

Städtepartnerschaft Bochum – Tsukuba

Tsukuba und Bochum wollen noch dieses Jahr eine Städtepartnerschaft vereinbaren. Im Mittelpunkt dieser Partnerschaft wird der Austausch auf den Gebieten Wissenschaft, Forschung und hochschulnahe Wirtschaft stehen. Sind die Zeiten der traditionellen Städtepartnerschaften, die auf dem kulturellen Austausch mit dem Ziel der Völkerverständigung basieren, vorbei?

Traditionelle Städtepartnerschaften

Bisher hat die Stadt Bochum vier Partnerstädte Sheffield (England), Oviedo (Spanien), Donezk (Ukraine), und Nordhausen (Thüringen). Am besten läuft die Partnerschaft mit der thüringischen Stadt Nordhausen, hier ist der Austausch besonders rege. Ein Austausch mit Donezk, das im von prorussischen Separatisten besetzten Gebiet der Ukraine liegt, ist zum Erliegen gekommen, der Partnerschaftsverein muss sich auf die Organisation von Hilfslieferunge beschränken. Das tut er mit großem Engagement. Die Partnerschaften mit Sheffield und Oviedo laufen auf Sparflamme, gegenseitige Besuche von Musik- und Theatergruppen, Schülern und anderen gibt es, zwischen den Stadtspitzen besteht allerdings kaum Kontakt.

Wissensstadt Tsukuba

Jetzt soll eine neue Städtepartnerschaft mit der japanischen Stadt Tsukuba hinzukommen. Seit 2016 verbindet beide Städte bereits eine rege Partnerschaft zwischen der Universität Tsukuba und der Ruhr-Universität. Daraus entwickelt sich ein wachsender Austausch zu Themen wie Innovation, Forschung, Standortentwicklung und Förderung der Wissensarbeit. Der durch die Städtepartnerschaft vertieft und weiter ausgebaut werden soll.

Die Universitätsstadt Tsukuba liegt rund 50 km nordöstlich von Tokio. Beide Städte verbindet der Tsukba-Express. Nur 45 Minuten dauert die Fahrt.

In den frühen 1960er Jahren wurde Tsukuba als „Stadt der Wissenschaft“ geplant und ab 1970 aufgebaut. Es gibt hier drei Universitäten, die Universität Tsukuba, die Tsukuba-Gakuin-Universität und die medizinische Fakultät der Universitätsklinik Tsukuba, über 300 staatliche und private Forschungsinstitute, sowie eine Vielzahl von Unternehmen der Hightechindustrie (Wikipedia). Die Stadt ist heute der größte Wissenschafts- und Technologiestandort Japans. Vier Nobelpreisträger forschten in Tsukuba (3x Physik, 1x Chemie).

Tsukuba mit Blick auf den Mount Tsukuba

Tsukuba wurde als Universitätsstadt gegründet, Forschung und Wissenschaft sind die Hauptidentifikationspunkte der Stadt. das zeigt sich auch an den Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt, dem Tsukuba Space Center, dem Science Museum of Map and Survey, dem Science Square Tsukuba und dem Wissenschaftsmuseum Tsukuba Expo Center, das an die Weltausstellung erinnert, die 1985 in Tsukuba statt fand. 2011 wurde Tsukuba zur “Umfassenden Sonderzone für die Entwicklung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit” erklärt. 2016 trafen sich die G7-Minister für Wissenschaft und Technologie in Tsukuba.

Auch die Partnerstädte von Tsukuba zeigen die besondere Ausrichtung der Stadt auf Wissenschaft, Forschung und hochschulnahe Wirtschaft. Tsukuba hat fünf Partnerstädte: Cambridge (USA), Heimatstadt der weltberühmten Harvard-Universität und des MIT, Irvine (USA), ebenfalls eine Universitätsstadt im kalifornischen Orange County (USA) sowie das ebenfalls in Kalifornien liegende Milpitas, in der einige bekannte IT-Unternehmen wie Infineon und ScanDisk ihren Sitz haben sowie die Boommetropole der Volksrepublik China schlechthin Shenzhen, in der Apple, Sony, Nintendo, Hewlett-Packard und andere, wesentliche Bauteile ihrer Geräte fertigen lassen. Bisher einzige Partnerstadt in Europa ist Grenoble, das ebenfalls als Zentrum der Entwicklung von Hochtechnologie bekannt ist.

Kann sich Bochum in diese Liste von weltbekannten Wissenschaft- und Wirtschaftsstädten einreihen, zeigt das, welchen Stellenwert Bochum bereits heute als Universitätsstadt genießt und in welche Richtung sich die Stadt mit großen Schritten weiter entwickeln kann und muss.

Wie ist der weitere Weg zur Städtepartnerschaft?

Bei seinem Besuch zeigte sich Mikito Kezuka, der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Tsukuba besonders beeindruckt vom Wandel der Stadt von der Stahl- und Industriestadt zur Wissensstadt und den Forschungen und Entwicklungen der Bochumer Universitäten und Hochschulen im Bereich Gesundheitsversorgung und Internet-Sicherheit. Auch lobte er die besondere Gastfreundschaft, mit der er in Bochum empfangen wurde. Der Vize-Bürgermeister formulierte klare Vorstellungen davon, wie beide Städte ihre Zusammenarbeit in den Bereichen Wissenschaft, Forschung und hochschulnahe Wirtschaft weiter verstärken sollten. Diese decken sich mit den Überlegungen der Stadt Bochum zur weiteren Ausgestaltung der Partnerschaft. Bei dem Austausch der Bochumer Politik mit Mikito Kezuka zeigte sich, dass beide Städte auf einer Wellenlänge denken.

Im nächsten Schritt soll die bestehende Partnerschaft in den Bereichen Wissenschaft, Forschung und hochschulnahe Wirtschaft in eine offizielle Städtepartnerschaft überführt werden. Dazu wird in den nächsten Monaten ein Kooperationsvertrag zwischen beiden Städten erarbeitet, der der dann vom Rat der Stadt beschlossen werden muss.

Bochum und Tsukuba, beide profitieren

Bochum kann von Tsukaba lernen und umgekehrt. 2012 hat Tsukuba sich das Ziel gesetzt, die Stadt mit der besten Bildung in Japan zu werden. Dazu wurde ein eigener Lehrplan eingeführt, in dem Umwelt, Völkerverständigung, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie naturwissenschaftliche Bildung im Vordergrund stehen. Vergleichbares könnte auch für Bochum ein Ziel sein.

Tsukuba ist eine internationale Stadt, 7.000 ausländische Einwohner mit mehr als 120 Nationalitäten leben in der Stadt. An der Tsukuba International School erhalten viele ausländische Kinder eine Ausbildung auf der Grundlage eines internationalen Abiturprogramms. Auch in diese Richtung könnte Bochum eine der städtischen Schulen weiterentwickeln.

Darüber hinaus könnten das Tsukuba Expo Center sowie das Science Museum für das in Bochum angedachte Science-Center (Science-Center für Bochum) ein Vorbild sein.

Für die Unternehmen Tsukubas und Bochums ist es interessant, in ihrer Stadt eine Anlaufstelle zu finden, die für sie die erforderlichen Informationen und Kontakte bereit hält um im jeweils anderen Land neue Geschäftsfelder zu erschließen. Die Geschäftskulturen in Japan und Europa sind sehr unterschiedlich. Um erfolgreich sein zu können, sind gute Beziehungen in das jeweils andere Land unverzichtbar. Auch in dieser Hinsicht sollte die Städtepartnerschaft also ein großer Gewinn sein.

Mit der Städtepartnerschaft zwischen den Wissensstädten Tsukuba und Bochum schlägt die Stadt ein neues spannendes Kapitel der Stadtentwicklung auf. Der Stadt erschließen sich viele neue Möglichkeiten, lasst sie uns nutzen – Yōkoso Tsukuba!

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