10 Mai

Notfallplan für digitalen Schulunterricht

Warum scheitern die Schulen am digitalen Unterricht?

Doch warum gelang es den Schulen nicht, Software einzuführen, um den Unterricht in die Zimmer der Kinder zu übertragen? Einige Schulen weigerten sich aus Datenschutzgründen entsprechende Software einzuführen. Da, wo die Schule entsprechende Technik bereitstellt, scheiterten einige Lehrer an der Technik, sind teilweise nicht bereit ihre privaten EDV-Geräte dafür einzusetzen oder stehen neuen digitalen Methoden nicht offen gegenüber. Nur wenige Lehrer und Schulen zeigten, wie einfach es eigentlich ist, die Schüler weiterhin auf digitalem Weg zu unterrichten.

Dazu ließen die Stadt, ebenso wie Landes- und Bezirksregierung die Schulen im Stich. Unterstützung, um in wenigen Tagen ein digitales Unterrichtssystem aufzubauen, um den Unterricht auf digitalem Weg fortzusetzen, gibt es bis heute keine. Der Oberbürgermeister und seine Amtskollegen lieferten sich stattdessen pressewirksam einen Kleinkrieg mit der Landesregierung, wer für die Misere verantwortlich sei.

Fast alle Schulen und Lehrer scheiterten an der Aufgabe, die erforderliche Videokonferenz-Software auf einen geeigneten Laptop aufzuspielen um dann Unterricht statt wie gewohnt vor der Tafel, vor dem Laptop abzuhalten. Und das obwohl eigentlich alle Hersteller dieser Systeme, diese derzeit Schulen kostenfrei zur Verfügung stellen. Viele Eltern sind mittlerweile so ungehalten, dass sie Stadt und Schulen Arbeitsverweigerung vorwerfen.

In Bochum soll es noch bis zum Ende des Schuljahres dauern, bis dort an allen Schulen Office 365 inklusive dem Videokonferenzing-System Teams ausgerollt ist. Der Einsatz kann damit, wenn überhaupt, erst im nächsten Schuljahr beginnen. Dann erst sollen den Schulen einheitliche Erklärungen für die Nutzung der Systeme und zum Datenschutz bereitgestellt werden.

Auch nach Schulöffnungen nur Not- und kein geordneter digitaler Unterricht

Bis dahin will man sich mit Not-Unterricht an den Schulen behelfen. Doch an den Schulen wird auch nach der Schulöffnung nur ein Bruchteil des Unterrichts stattfinden können, denn es können aufgrund der Abstandsregeln in den meisten Klassenräumen nur max. 8-15 Schüler beschult werden, statt wie bisher bis zu 35. die Klassenräume dürfen zudem nur einmal am Tag genutzt werden. Der überwiegende Teil des Unterrichts müsste den Kindern also auch zukünftig digital übermittelt werden. Während 8-15 Schüler im Klassenraum unterrichtet werden, könnte der Unterricht an die anderen Schüler digital übertragen werden. Rollierend könnte Woche für Woche ein wechselnder Teil der Schüler in den Schulen, die anderen digital Unterrichtet werden.

Doch die Konzepte zur Schulöffnung sehen das nicht vor. Weder im Plan der Landesregierung noch in der Dienstanweisungsflut der Bezirksregierung kommt digitaler Unterricht vor, auch die Stadt kümmert sich nicht um entsprechende Lösungen, die Schulen sind überfordert und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) stellt 30 detailierte Forderungen zur Öffnung der Schulen auf, lässt aber die wichtigste, die Forderung nach digitalem Unterricht weg (News for Teachers, 04.05.20).

Dabei ist es nach 8 Wochen Untätigkeit, in denen hätte geklärt werden können, wie der Unterricht zukünftig organisiert werden soll, allerhöchste Zeit für einen Notfallplan, um die Schulen in die Lage zu versetzen, die Schüler digtal zu unterrichten.

STADTGESTALTER schlagen Notfallplan mit 6 Punkten vor

Die STADTGESTALTER schlagen daher folgenden 6-Punkte Plan vor, den die Stadt umgehend mindestens für allen weiterführenden Schulen umsetzen sollte:

  1. Die Stadt stellt allen Schulen, wenn möglich auf eigenen städtischen Servern, ein Videokonferenz- bzw. anderes digitales Unterrichtssystem zur Verfügung.
  2. Die Stadt klärt alle rechtlichen Rahmenbedingungen zur Nutzung des Systems, formuliert die dafür erforderlichen Einverständniserklärungen und stellt diese den Schulen zur Verfügung, damit diese von Haftungsansprüchen aufgrund der Nutzung des Systems frei gestellt werden. 
  3. Lehrer, die nicht mit einer Nutzung ihrer Privatgeräte für den digitalen Unterricht einverstanden sind, werden von der Stadt mit einem städtischen Gerät ausgestattet.
  4. Für die Lehrer werden digitale Spielwiesen und eine städtische Supportstelle eingerichtet, wo mit dem System vertraute Personen die Lehrer an dem System schulen können und andere Hilfen zur Nutzung anbieten.
  5. Die Schule ermittelt die Schüler, die nicht mit den erforderlichen Kommunikationsgeräten ausgestattet sind. Diese Schüler erhalten bei Nachweis der Bedürftigkeit entsprechende Geräte von der Stadt.
  6. Für Schüler, die nicht mit dem digitalen Unterrichtssystem vertraut sind, bietet die Stadt ebenfalls einen Support an.

Mittelfristig benötigen die städtischen Schulen ein ausgereiftes Konzept für digitalen Unterricht

Zum späteren Ersatz des Notfallplans muss die Stadt nach Ansicht der STADTGESTALTER zusammen mit den Schulen zudem mittelfristig ein ausgereiftes, digitales Unterrichtskonzept erarbeiten, in dem insbesondere die genauen technischen und rechtlichen Anforderungen zum Aufbau und Betrieb eines solchen Systems geklärt und festgelegt werden. Dieses Konzept muss einen Finanz- und Zeitplan enthalten, der bestimmt wie die zeitnahe Realisierung erfolgt.

Die Stadt muss zudem bei den städtischen Schulen darauf hinwirken, dass die Schulen ihr Schulprogramm dahingehend erweitern, dass darin zeitnah Konzepte für digitalen Unterricht aufgenommen werden.

Städtischer Notfallfond für Kosten, die zusätzlich durch digitale Beschulung entstehen

Weiterhin schlagen die STADTGESTALTER die Einrichtung eines städtischen Notfallfonds vor, aus dem bedürftigen Familien pauschal Kosten, die durch die Verlagerung des Unterricht nach Hause entstehen (Druckkosten, Strom u.ä.) ersetzt werden, die nicht durch die Pauschalen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket für Schulbedarf gedeckt sind.

Auch die Schüler können Hilfe der Stadt erwarten

Es ist allerhöchste Zeit, dass die Stadt in Sachen Schule tätig wird. In Zeiten von Corona wird von der Stadt für fast jede gesellschaftliche Gruppe, egal ob Einzelhandel, Gastronomen oder Kulturschaffende ein Hilfs- und Notfallprogramm aufgelegt, aber ausgerechnet bei den Jüngsten, den Schülern geschieht bisher nichts. Dabei sollten gerade in einer Universitätsstadt wie Bochum Schulen und Bildung besonders im Fokus stehen. Wahlkampftaktische Schuldzuweisungs- und Zuständigkeitsdiskssionen zwischen Landesregierung und Oberbürgermeistern sind nicht zielführend. Die Stadt muss dafür sorgen, dass der digitale Unterricht in spätestens zwei Wochen an allen Schulen steht, egal ob oder inwieweit sie zuständig ist. Die Schüler der Stadt sind es wert.

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