16 Feb

Hordel vom Durchgangsverkehr entlasten

Die Kappskolonie Hordel ist ein in jeder Hinsicht besonderes Wohnviertel von Bochum. Zunächst war die Dalhausener Heide, so der offizielle Name, eine abgeschlossene Siedlung, die nur über eine Schranke zu erreichen war. Gebaut wurde die Siedlung im Stil einer Gartenstadt zwischen 1907 und 1915 für die Belegschaften der Krupp-Zechen Hannover und Hannibal.

Durchfahrtsverbot Sechs-Schwestern-Straße

Autoverkehr war zur damaligen Zeit in den Planungen nicht vorgesehen, entsprechend schmal wurden die Straßen und Wege angelegt. Für Durchgangsverkehr wurden die Straßen nicht ausgelegt. Doch Verkehr sucht sich seine Wege, heute kürzen viele, die Richtung Wanne-Eickel, Herne und Gelsenkirchen wollen von der Dorstener Straße kommend durch das Wohngebiet ab. Die Stadt reagierte mit Schildern, die die Durchfahrt verbieten und nur den Anwohnern ein Befahren gestatten, doch die werden ignoriert. Eine Kontrolle durch die Polizei ist selten. Die Lage verschärfte sich weiter als die Hordeler Straße für die Durchfahrt gesperrt wurde und als alternative Abkürzung wegfiel.

Durchgangsverkehr trotz Verbot

Besonders die Anwohner der Sechs-Schwestern-Straße empfinden den Verkehr als schwere Einschränkung für ihre Wohnqualität. Die Straße ist so schmal, dass an viele Stellen kaum Gegenverkehr möglich ist. Die Autos weichen auf die Bürgersteige aus. Es wird zu schnell gefahren. Für eine schmale Wohnstraße ist die Verkehrsbelastung zu hoch. Für Kinder und Ältere wird der Verkehr zur Gefahr. Die Kennzeichen verraten, kaum ein Auto, das durch die Straße fährt, wird einem Anwohner gehören, viele Fahrzeuge tragen “GE”, “HER” oder “WAN”.

Im Rahmen ihrer Straßengestalter-Aktion haben die STADTGESTALTER sich vor Ort die Lage angeschaut, mit den Anwohnern geredet und ein Konzept erarbeitet, mit dem es möglich wäre, den Durchgangsverkehr aus der Kappskolonie zu verbannen.

Diejenigen, die durch die Siedlung fahren, kommen heute über die Dinnendahl- und die Overdyker Straße und verlassen die Siedlung über die Bertha- und die Hüller-Bach-Straße oder durchfahren die Kolonie in entgegengesetzer Richtung.

Der Lösungsvorschlag der STADTGESTALTER

Lösung STADTGESTALTER

Der Vorschlag der STADTGESTALTER (Darstellung im Plan) sieht vor, auf der Hordeler Heide zwischen Wasserbankstraße und Innenhof eine Busschleuse (Foto Busschleuse) einzubauen, so dass die Durchfahrt nur noch für Busse aber nicht mehr für PKW möglich ist. Die Sechs-Brüder-Straße würde direkt nach dem Abzweig Barbarastraße zur Sackgasse, so dass auch hier keine Durchfahrt möglich wäre.

Beispiel Busschleuse (Quell: Thomas Hindsgaul)

Ein Durchfahren der Kappskolonie durch die verkehrsberuhigten Wohnstraßen, wäre für Fahrer aus “GE, “HER” oder “WAN” zu umständlich und langsam. Der Durchgangsverkehr hätte ein Ende. In Folge der von den STADTGESTALTERn vorgeschlagenen Lösung müssten sich allerdings einige Anwohner an neue Wege gewöhnen, die auch zu Fahrzeitenverlängerungen führen können. Um mehr als 1 Minute dürfte sich allerdings kein Weg verlängern.

Meinungen der Anwohner sind gespalten

Die Reaktion der Anwohner auf die Vorschläge war gespalten. Insbesondere die Anwohner der Straßen, wo sich der Verkehr deutlich beruhigen würden, nahmen den Vorschlag sehr positiv auf. Anwohner, die schon an Straßen mit wenig Verkehr wohnen, waren dagegen angesichts der mit dem Vorschlag verbundenen Umwege sehr skeptisch. Auch wurde befürchtet, Verkehr könnte sich in ihre Straßen verlagern.

Ein Stopp des Durchgangsverkehrs, ohne die Inkaufnahme von minimalen Umwegen für manche Anwohner wird nicht möglich sein. Die Frage ist, was ist den Anwohnern wichtig, schnelle Wege oder weniger Verkehr. Letztlich muss hier die gesamte Kolonie sich auf eine Lösung einigen, die für alle tragbar ist. Aus Sicht der STADTGESTALTER sollte eine Verbesserung der Wohnqualität durch weniger Durchgangsverkehr in der Abwägung zu minimalen Umwegen, einen höheren Stellenwert besitzen.

Ausweg Verkehrsversuch?

Vielleicht sollte die von den STADTGESTALTERn vorgeschlagene Lösung oder eine Lösung mit ähnlicher Zielrichtung zunächst in einem mehrmonatigen Verkehrsversuch umgesetzt werden. Dann könnten die Bewohner der Kolonie nach 3 Monaten befragt werden, ob zu der heutigen Lösung zurückgekehrt oder die neue Lösung zum Dauerzustand werden soll.

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